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Mönchengladbach
Schlosskonzert führte vom Dunkel ins Licht

Mönchengladbach. Der Weg aus dem Dunklen ins Helle ist in aller Regel erfreulicher als der in die umgekehrte Richtung. "Vom Dunkel ins Licht" hatte das Kölner Barockensemble "Nel Dolce" sein Programm im ersten Schlosskonzert überschrieben. Der Titel passte zweifellos zum Motto "Morgen" der Muziek Biennale 2016 Niederrhein, die an diesem Abend im Schloss Rheydt zu Gast war. Und die Erwartung eines hellen Morgen nach einer dunklen Nacht ist ein seit alters her beliebtes musikalisches Motiv. Von Gert Holtmeyer

So lässt Antonio Vivaldi "La Notte", ein Concerto di Camera für Blockflöte, Violine und Basso continuo, fahl und leise erklingen. Aber so ganz dunkel blieb es dann doch nicht. Es zeigten sich die Vorteile der historisch orientierten Aufführungspraxis. Dank springender Bögen in Violine und Cello und dank des lebhaften Stakkatos der Flöte wurde musikalisch daran erinnert, dass es auch nachts mitunter sehr lebhaft zugehen kann.

An ihrer Kompetenz für Barockmusik ließen Stephanie Buyken (Blockflöte und Sopran), Olga Piskorz (Violine), Harm Meiners (Violoncello) und Luca Quintavalle (Cembalo) keinen Zweifel. Dabei können sie nicht nur Barock. Mit "The Hidden Forest", einem Solostück der zeitgenössischen englischen Cellistin und Komponistin Jo Quail, verließ Harm Meiners eindeutig den historischen Sektor und erlaubte sich sowohl Vibrato als auch die Benutzung eines Cello-Stachels. Und in einer Solo-Improvisation über die niederrheinische Volksweise "Wat zalmen op den Avond doen" brachte Stephanie Buyken das Kunststück fertig, gleichzeitig Blockflöte zu spielen und zu singen.

Für Abwechslung war gesorgt, nicht nur durch den thematischen Wechsel zwischen Tag- und Nachtstücken. Nel Dolce brillierte nicht nur als Ensemble. Alle Mitspieler lieferten auch solistische Beweise ihres Könnens ab. Über einem Basso continuo ließ Olga Piskorz auf ihrer Violine morgendliches Vogelgezwitscher hören, so wie es Heinrich Biber in seiner heiteren "Sonata representativa" eingefangen hat. Mit Bogenkratzen und Dissonanzen meldete sich der Frosch, mit Glissandi und Misstönen die Katze. Mit munterem Schwung steuerte Luca Quintavalle "Le Reveil Matin" aus Couperins "Premier livre de pièces de clavecin" bei.

Die Kombination von Kompetenz, Virtuosität und unbekümmerter Spielfreude machte dem zahlreich erschienenen Publikum erkennbar viel Freude. Als Zugabe war noch der schnelle Schlusssatz einer Sonate zu hören, die lange Telemann zugeschrieben wurde. Wahrscheinlich stammt sie aber aus der Feder des Altonaer Organisten Pierre Prowo (1697 - 1757).

Quelle: RP
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