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Mönchengladbach
Sinfoniker starten mit Elina Vähälä in die Spielzeit

Mönchengladbach. Die neue sinfonische Saison begann barock, wenn auch nicht im Sinne von üppig. Im Gegenteil: Die Niederrheinischen Sinfoniker begannen das erste Sinfoniekonzert mit deutlich reduzierter, mit Kammerorchester-Besetzung. Von Gert Holtmeyer

So beliebt Barockmusik auch ist: sie hat ihren Platz in Kammerkonzerten und in Veranstaltungen mit Spezialensembles für Alte Musik; in Sinfoniekonzerten begegnet man ihr nur selten. Warum eigentlich, fragte GMD Mihkel Kütson und setzte zwei kurze Concerti grossi des Corelli-Schülers Francesco Geminiani aufs Programm. Genau genommen hat Geminiani lediglich zwei Triosonaten Correllis bearbeitet. Das aber hat er gut gemacht.

Die Niederrheiner gefielen mit einer kompetenten Wiedergabe, orientiert an den Vorgaben historisch orientierter Aufführungspraxis. Vibrato wurde auf den Index gesetzt, in die schnellen Sätze wurde viel Schwung investiert. Die Violinsoli waren bei den beiden Konzertmeistern Chisato Yamamoto und Fabian Kircher gut aufgehoben.

Dass sich aus Filmmusik ein attraktives Violinkonzert machen lässt, bewies seinerzeit schon Erich Wolfgang Korngold. Ähnlich ging der 1938 geborene Amerikaner John Corigliano vor. Seine Musik zum Film "The red Violin" (1997) verarbeitet er zu einer Chaconne, die er einige Jahre später um drei Sätze zu einem ausgewachsenen Konzert erweiterte. Das hat es in sich. Teilweise klingt es ganz konventionell, Filmmusik eben. Aber dann kommen ungewohnte Klänge ins Spiel. Perkussion setzt ein, wo man sie überhaupt nicht erwartet; bei den Streichern muss es stellenweise regelrecht knirschen. Die Anforderungen für die Geige sind gewaltig. Skalen werden in furchterregenden Tempi rauf- und runtergejagt, Doppelgriffe müssen sogar als Flageolett bewältigt werden.

Mit scheinbar müheloser Leichtigkeit begeisterte die amerikanisch-finnische Geigerin Elina Vähälä ihr Publikum im Konzertsaal Theater Mönchengladbach. Wer beim leisen Anfang noch befürchtete, dass sie womöglich über einen nur wenig tragenden Ton verfügen könnte, sah sich bald eines Besseren belehrt. Auf ihrer Guadagnini-Geige entwickelte sie eine beachtlich kraftvolle Tonqualität.

Ihre Griffsicherheit ließ keine Wünsche offen. Das Problem bei Brahms-Sinfonien ist, dass sie bei allem Wohlklang nicht eintöpfig klingen dürfen. Genau das wussten Kütson und die Niederrheinischen Sinfoniker bei der zweiten Sinfonie zu vermeiden. In einer Befragung hatte sich das Publikum dieses Brahms-Werk mehrheitlich gewünscht, die Sinfoniker spielten es offensichtlich mit großer Begeisterung. Fabelhaft gerieten die Bläsersoli, ebenso die Streicherkantilenen. Ein gut gelungener Saisonstart, der vom Publikum mit viel Beifall anerkannt wurde.

Quelle: RP
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