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Mönchengladbach
Solisten von morgen

Mönchengladbach. Mit beeindruckenden Leistungen stellten sich die Mitglieder des Opernstudios im ausverkauften Studio des Theaters vor. Von Heide Oehmen

Wenn das keine Erfolgsgeschichte ist! Das Opernstudio - den Vereinigten Bühnen Krefeld -Mönchengladbach angegliedert, aber ausschließlich von Sponsoren finanziert - besteht seit fünf Jahren und hat inzwischen einer ganzen Reihe von jungen Sängern und Pianisten den Weg zu den Opernhäusern und teils sogar in feste Engagements geebnet. Jeweils zwei Jahre lang werden die Hochschulabsolventen - betreut von Operndirektor Andreas Wendholz - behutsam auf den Bühnenalltag vorbereitet. Sie dürfen nach und nach kleinere oder mittlere Rollen in den Opernproduktionen übernehmen, was wiederum dem Theater ermöglicht, sein recht schmales Sängerensemble teils hochkarätig zu ergänzen. Also eine typische "Win-win-Situation".

Zu dem in diesem Frühjahr anberaumten Vorsingen meldeten sich 156 Bewerber, 35 wurden zum Vorsingen eingeladen, und eine Fachjury wählte für die drei freien Plätze eine Sopranistin, eine Mezzosopranistin und einen Tenor aus. Diese stellten sich gemeinsam mit einem Bassbariton und einem Pianisten, die beide bereits im zweiten Jahr Opernstudio-Eleven sind, unter den akustisch erschwerten Bedingungen des für solche Präsentationen viel zu kleinen Studios des Theaters einem begeisterten Publikum vor.

Hier sei zunächst der Pianist Yorgos Ziavras gewürdigt, der mit nicht nachlassender Präsenz, vorbildlicher Anschlagskultur und beispielhaftem Einfühlungsvermögen den vielfältigen stilistischen Eigenarten der dargebotenen Vokalwerke einen ganzen Abend lang optimal gerecht wurde.

Dem Opernpublikum durch vielfältigen Einsatz auf der Bühne bereits bekannt ist der Südkoreaner Shinyoung Yeo, der seinen mächtigen, gut durchgebildeten Bassbariton am liebsten volltönend einsetzt und beispielsweise mit der Bravourarie "Fünftausend Taler" (Wildschütz) die Zuhörer zu Bravo-Rufen animierte.

Bei Ruth Ziesak und Caroline Stein ausgebildet wurde die aus Tönisvorst stammende Sopranistin Julia Danz, deren lyrisch leuchtender, höhensicherer, doch noch nicht immer ganz ruhig geführter Sopran vor allem in der großen Arie der Mimi (La Bohème) überzeugte.

Die Großmutter, Dirigentin an der Oper in Reykjavik, war "schuld", dass die Isländerin Agnes Thorsteins ihren ausdrucksstarken Mezzo in Wien ausbilden ließ. Ein weiser Rat - wie die ausgereiften und glutvollen Vorträge (Sesto - La Clemenza di Tito) oder Seguidilla der Carmen)zeigten.

Aus dem fernen China kam Xianghu Alexander Liu - nach Studien in seiner Heimat - an die Musikhochschule Hamburg, wo Professor Mark Tucker sich seines Ausnahmetenors annahm. Nicht nur die makellos gelungenen neun(!) hohen Cs in der Arie des Tonio(aus Donizettis Regimentstochter)konnten den charmanten Chinesen schrecken, ebenso begeisterte er beispielsweise im Duett mit Julia Danz als verliebter Rudolfo (La Bohème)oder mit dem Lied des Sou Chong "Dein ist mein ganzes Herz"(Land des Lächelns) - ein Ausnahmetalent!

Alle Eleven verfügen neben ihrem stimmlichen Qualitäten auch über komödiantisches Talent, was sie zum Vergnügen des Publikums in diversen Ensembles gekonnt demonstrierten.

Da ist enormes Potential, und die Opernfreunde können sich auch unter diesem Aspekt auf die nächsten Produktionen freuen. Die erste hat schon im Dezember Premiere, wenn in "Hänsel und Gretel" Julia Danz und Agnes Thorsteins das Geschwisterpaar darstellen und Shinyoung Yeo den gestrengen Vater.

Quelle: RP
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