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Mönchengladbach
St. Helena: Johann Sebastian Bach und Max Reger im Dialog

Mönchengladbach. Es gibt nur wenige Instrumente, die in ihrem Klang und ihrem Charakter den Geist von Intimität, das Menschliche in all seinen Facetten, aber vor allem auch Insichgekehrtheit, sprechender repräsentieren als das Violoncello. Hingegen bildet die Orgel, mit ihrer auf Größe und Macht zielenden, sphärisch-mystischen Ausrichtung, gen Himmel, ein vollkommen gegensätzliches Faszinosum. Gegensätze ziehen sich bekanntlich an, aber im Falle der beiden Instrumente hätte man es vielleicht nicht vermutet, wäre von Reinhold Richter und Guido Schiefen in St. Helena Rheindahlen nicht der mehr als lebendige Beweis erbracht worden. Von Christian Oscar Gazsi Laki

Doch neben dem Konzept, das Cello und die Orgel quasi dialektisch als Gegenpole solistisch und in Synthese begegnen zu lassen, hatten sich die beiden Musiker auch ein weiteres Aufeinandertreffen für den Nachmittag vorgenommen. Feinsinnig und mit ausgesprochener Schöngeistigkeit auf dem Cello - gespielt von Schiefen - und die Orgel ganz in Richters löwenbändigender Hand, ließ man Johann Sebastian Bach und Max Reger in Dialog treten. Anlass bot Regers 100. Todestag.

Nach der Choralbearbeitung "Kommst du nun, Jesu, vom Himmel herunter" für Orgel aus Bachs Feder (BWV 650), widmete sich Schiefen zunächst innigster Intimität: der Suite Nr. 1 G-Dur BWV 1007 für Violoncello Solo Bachs. So pur und bei sich, ohne Schnörkel und aufgesetzten Effekt kann Musik sein. Nicht ohne Grund gelten die Suiten als paradigmatisch für die Cello-Literatur. Schiefen zeigte mit entzückender Leichtigkeit und einem Gespür für subtile Eleganz die unendlichen Tiefen dieser Musik. Die den Zuhörer auf einen Schlag in Verbindung mit Bachs musikalischer Persönlichkeit treten ließ. Schiefen spielte mit betörendem Ton auf der weicheren Seite des möglichen Klangfarbenspektrums.

Bedeutungsschwanger, vielleicht etwas monströs, ging es weiter mit Regers Fantasie und Fuge über B-A-C-H op. 46. Doch Richter gelang es, die aufgeladene Musik mit Esprit zu füllen. Hier kann sich der Organist gänzlich austoben. Man wird erschlagen und staunt.

Regers Suite Nr. 2 d-Moll op. 131c für Cello spricht da eine andere Sprache. Er kann auch subtilere Töne anschlagen, wenngleich auch hier wiederum Schiefens Interpretation auf eben diesen Aspekt abzielte. Technisch gesehen, indes ist diese so hoch-romantische viersätzige Suite, wiederum ungeheuerlich in seinen Anforderungen, wie könnte es bei Reger auch anders sein.

Licht und schwebend war die Synthese mit der Aria für Cello und Orgel op. 103/3. Übrigens auch - wenn man es so will - eine Synthese Regers aus Bach, denn, wer mochte sich nicht, in der Basslinie nun wirklich unüberhörbar, an Bachs "Air" aus BWV 1068 erinnert fühlen.

Quelle: RP
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