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Mönchengladbach
Tanzfest mit Boom Boom und Rumba

Mönchengladbach. Robert North präsentiert ab 12. November einen neuen dreiteiligen Ballettabend. Dabei spielt die Musik eine entscheidende Rolle - von Klavier-Rhapsodien Franz Liszts bis zu Titeln der Blues-Legende John Lee Hooker. Von Dirk Richerdt

Dass ein Choreograf musikalisch sein muss, ist eine Binsenweisheit. Aber bei Ballettdirektor Robert North ist das Expertenwissen bei Musikstilen so umfänglich entwickelt, dass es Bewunderung abnötigt. Das zeigte gestern die Matinee zu Norths nächstem Ballettabend im Theatersaal, wo am 12. November ein dreiteiliges Tanzprogramm unter dem Titel "Rhapsodie und Rumba" erstmals in Mönchengladbach zu erleben sein wird.

Den ersten Teil des Abends bildet eine Folge von Klavier-Rhapsodien des romantischen Tastenvirtuosen Franz Liszt. Dabei "tanzt" einer im Zentrum mit, der dabei eher unbewegt bleiben darf: Theater-Pianist André Parfenov wird vor dem Steinway mitten unter den 20 Tanzprofis agieren, auf einem rollbaren roten Podest. Bühnenbildner Udo Hesse legt Wert darauf, dass der Flügel wechselnde Positionen auf der Bühne bekommt. Wie virtuos er seine Partien beherrscht, demonstrierte Parfenov, als er Liszts "Albumblatt" in einer eigenen Bearbeitung spielte, die alle Ingredienzien der hohen Schule pianistischer Geläufigkeit enthielt. "Ich glaube, dass Liszt sich über diese Bearbeitung sehr gefreut hätte", zollte Ballettdramaturgin Regina Härtling dem Solisten Anerkennung.

Eine Etüde des Feuerkopfes Liszt, "Un sospiro" (Ein Seufzer), nahmen Victoria Hay und Takashi Kondo zum Anlass, in der Rolle von Konzertbesuchern rasch ihre Stühle zu verlassen, um ihren Empfindungen zueinander Raum zu verschaffen - und danach dem Tastenlöwen huldvoll zu applaudieren: Ein Konzert auf der Ballettbühne, das ist nicht alltäglich. "Ich habe sehr unterschiedliche Werke für diesen Ballettabend kombiniert", erklärte Robert North und ergänzte: "Die Aussage der Musik ist mir immer sehr wichtig." Und damit wären wir mitten im Kontrastprogramm: Es folgt "Boom Boom", eine North-Choreografie, die der reichen Tradition des amerikanischen Blues nachspürt, aber auch Boogie-Woogie-Stücke und Rockelemente verwendet. Die Musik stammt von der Blues-Legende John Lee Hooker (1917 - 2001) und dem englischen Rockmusiker Simon Rogers. Diese Stücke werden aber aus digitalen Speichermedien zugespielt. Eine Szene daraus tanzten Jessica Gillo, Teresa Levrini und Marco Carlucci als Pas de trois, gleichsam als Verkörperung eines Boogie-Trios mit Klavier, Schlagzeug und Stehbass.

Auch vom Medium Film bezieht North manchen Impuls: So baute er in seine Tanzfassung zu dem Song "Moving down the River Rhine" von Sonnyboy Williamson jenen irre komischen Sidestep ein, den Star-Regisseur Federico Fellini in "Achteinhalb" 1963 den jungen Marcello Mastroianni tanzen ließ.

Spanisch-kubanisch geht's im dritten Teil zu: Hier präsentiert North in der Verbindung von Flamenco und Jazz eine Hommage an die Rumba. Zu Klängen des spanischen Gitarristen Paco de Lucia bewegten sich die Tänzer in ihren Trainingstrikots mit messerscharfem Rhythmusgefühl zu dieser rauen, aufgewühlten Musik. Am 12. November, 19.30 Uhr, ist Premiere.

Quelle: RP
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