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Mönchengladbach
Trotz des Irrsinns wird am Ende alles gut

Mönchengladbach. Mondlicht und Magnolien: Die Premiere im ausverkauften Theater-Studio war umwerfend. Das Publikum erlebte ein schnelles Spiel - voller Witz und prächtiger Pointen. Es gab auch menschliche Dramen. Aber die Freundschaft siegt. Von Inge Schnettler

Manchmal sind es die ganz kleinen Dinge, die ganz große Freude bereiten. Wie die Bananenschalen, die nach dem zweiten Umbau den Kronleuchter und das linke Ohr der Porzellan-Dogge zieren. Da ist bis ins Detail gedacht - und umgesetzt worden. Zur Erheiterung der Zuschauer. Die haben im ausverkauften Studio des Theaters die Premiere der Komödie "Mondschein und Magnolien" erlebt, sie waren ganz nah dran an dem Geschehen auf der Bühne, auf der drei bis zum Wahnsinn gestresste Künstler versuchen, zu retten, was zu retten ist.

David O. Selznick, verkörpert von Paul Steinbach, hat seinen Regisseur gefeuert und die Dreharbeiten zu "Vom Winde verweht" unterbrochen. Pro Tag macht er 50.000 Dollar Verlust. Wenn er nicht innerhalb von fünf Tagen mit neuem Drehbuch und neuem Regisseur loslegen kann, ist sein Studio ruiniert. Und seine Ehe mit der Tochter von MGM-Boss Louis B. Mayer ziemlich sicher auch.

Paul Steinbach gibt den Produzenten mit vielen herrlichen Ticks, schlecht kaschierten Minderwertigkeitskomplexen und dem ständigen mühevollen Streben nach autoritärer Ausstrahlung, die er beispielsweise mittels eines viel zu dicken Kissens auf seinem Schreibtischstuhl zu unterstreichen versucht, von dem er aber leider ständig abzurutschen droht. Was echt albern aussieht. Er hat den Autoren Ben Hecht (Adrian Linke) und den Regisseur Victor Fleming (Christopher Wintgens) in seinem völlig überladenen Büro eingeschlossen, lässt sie von seiner Sekretärin Miss Poppenghul (Eva Spott) ausschließlich mit Bananen und Erdnüssen versorgen und treibt sich selbst und die beiden anderen Männer nahezu in den eigentlich unvermeidlichen Nervenzusammenbruch.

Das Spiel ist schnell, voller Witz und prächtiger Pointen. Selznik und Fleming spielen Hecht die Szenen aus dem Südstaaten-Schmöker vor, dieser hämmert sie in die alte Schreibmaschine. Das geht auch nicht anders, denn der Drehbuchautor hat leider nur die erste Seite des immerhin 1037 Seiten starken Buchs von Margaret Mitchell gelesen. Sein einsilbiger Kommentar dazu: "Würg!" Paul Steinbach und Christopher Wintgens geben alles, spielen sogar die Szene, in der die tugendhafte Melanie ihr Baby bekommt, wobei Wintgens rücklings im Sessel liegend die Gebärende mimt und Steinbach Scarlett O'Hara, die als Geburtshelferin fungiert, nachdem sich das schwarze Hausmädchen, das behauptet hatte, es sei prima als Hebamme einsetzbar, als Totalausfall erweist.

In dem Stück treffen Komik und Tragik aufeinander, dass es scheppert. Das Publikum hat viel zu lachen, aber die menschlichen Dramen, die mitschwingen, lassen von Zeit zu Zeit innehalten. Die Geschichte hat durchaus politische und moralische Botschaften - es geht auch um Rassismus, um bedrohte Existenzen und um Freundschaft. Und die siegt am Ende, die drei ungleichen Künstlerpersönlichkeiten raufen sich - bei all dem Wahnsinn - zusammen. Sie überstehen einen Starrkrampf, in den Produzent Selznick verfällt, und das geplatzte Äderchen in Flemings Auge, der fortan mit der Krawatte, die als Augenbinde dient, weiterspielt. Nur der Autor Ben Hecht übersteht den Irrsinn relativ unbeschadet. Großartig!

Die nächsten Aufführungen: 8. November, 13. November, 29. November, 7. und 21. Dezember, 10. und 22. Januar 2017, jeweils 20 Uhr im Studio. Tickets unter 02166 6151-100 und online auf www.theater-kr-mg.de

Quelle: RP
 
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