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Mönchengladbach
Verdis Requiem - auch für die Toten in Paris

Mönchengladbach. Am Tag nach den Anschlägen traf das Werk, das in der Kirche St. Helena aufgeführt wurde, ins Herz. Von Christian Oscar Gazsi Laki

"Requiem aeternam dona eis, Domine" - Herr, gib ihnen ewige Ruhe - hallt es in sanftem Trauerton durch St. Helena. Es berührt jedes mal aufs Neue, mit welch tröstend zarter Süße und tiefster Ernsthaftigkeit Verdi die ersten Worte seiner Totenmesse wie aus dem Nichts emporsteigen lässt. Insbesondere, wenn die Idee des Tondichters, sowohl durch den Chor als auch durch die orchestrale Umrahmung, so sensibel realisiert wird, wie nun in Rheindahlen - das gelingt beileibe nicht immer.

Es lässt daher begeisterte Freunde europäischer Kunstmusiktradition freudig erstrahlen, so groß angelegte Chorliteratur, auch abseits des großen Konzertbetriebs stimmig und mit Hingabe der Ausführenden hören zu können. Zudem, wenn man sich nicht nehmen lässt die Soloparts mit überaus fähigen Vertretern ihres Fachs zu besetzen.

Es ist nun einmal so, dass die Totenmesse als Komposition heute - und auch schon zu Verdis Zeiten - oft vielmehr ein in Musik formuliertes "Memento Mori" ist, als etwa für Liturgie gesetzte Kirchenmusik. Für diese ästhetische Erfahrung der kathartischen - reinigenden - Auseinandersetzung mit Emotionen wie Trauer, Trost, Verdammnis und Erlösung, bedarf es eigentlich keines besonderen Anlasses. Das ist wichtig zu wissen. Die schmerzliche Aktualität, die ein Totengedenken dann hingegen gewinnen kann, erschüttert und taucht alles in ein gänzlich anderes Licht.

Die Anschläge in Paris sind explizit gegen den Geist und Tradition gerichtet, aus denen solche Musik und ihre Aufführungsweise erwachsen ist. Weder Reinhold Richter, noch der unter seiner konzentrierten Leitung spielende Kirchen- und Projektchor St. Helena, weder der Erkelenzer Cornelius-Burgh-Chor, noch die Camerata Gladbach dürften bei der Planung dieses beachtenswerten Projektes geahnt haben, für wessen Andenken sie schließlich musizieren werden.

Allen, auch Konzertmeisterein Johanna Brinkmann und ihren durchaus distinguiert musizierenden Instrumentalisten, auch den durchweg auf hohem Niveau singenden Solisten, Dara Hobbs (Sopran), Renée Morloc (Mezzo), Ho-yoon Chung (Tenor) und Almas Svilpa (Bass) war anzumerken, dass es hier um mehr ging, als "nur" der Musik Verdis effektvoll zum Klang zu verhelfen.

Seine Messa da Requiem ist zwar zurecht in erster Linie für sein "Dies irae" bekannt, was auch wahrhaft donnerschallend gelang. Es waren aber vor allem auch die stillen Momente, die wohl jedem im Publikum in St. Helena - gerade jetzt - tief ins Herz trafen.

Quelle: RP
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