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Parc/Ours 2016
Versteckte Schätze auf dem Silbertablett

Mönchengladbach. Zum Parcours-Wochenende luden 51 Künstler in ihre Ateliers ein. Museen, Galerien und andere Kunstorte unterstützten den facettenreichen Einblick in eine quicklebendige Kunstszene vor Ort. Von Angela Wilms Adrians

Kunst ist inspirierend, Kunst fordert heraus - und zum Parcours-Wochenende gab es eine sportliche Note oben drauf: 51 Künstler baten an zwei Tagen in 37 Ateliers, das Museum Schloss Rheydt eröffnete die Retrospektive auf das Werk des rheinischen Expressionisten Hans Rilke und vom Sonnenhaus aus wurde eine neue Wegführung zum Abteiberg eröffnet. Glücklicherweise boten das kompakte Programmheft und ein eigens abgestimmter Stadtplan Hilfestellung.

Etwas versteckt, doch Insidern bekannt, ist Rita Wilmesmeiers Atelier über die Auffahrt zum Parkdeck des Menge-Hauses zu finden. Sie zeigte Beispiele ihrer Kissenarbeiten und Rastervariationen. Eine große Wand war dem neuesten Zyklus vorbehalten und dem Leporello, der dafür den Anstoß gab. Für das Leporello hatte die Künstlerin Luftaufnahmen von Städten malerisch überarbeitet. "Mich hat inspiriert, dass Städte und Landschaften oft geometrisch angeordnet sind. Da ich mit Rastern arbeite, habe ich dies als Idee aufgegriffen, um darüber meine Rasterformen auszubreiten", erzählt sie. In der Serie ergibt sich so ein feines Spiel zwischen den Schichten, die immer auch tiefer liegende Elemente durchscheinen lassen. Ein Großformat ist in vielen Farbschichten über der Collage von Stadtansichten aus allen Erdteilen angelegt. Die sich absetzenden linearen Verläufe werden zum Netzwerk einer globalen Welt. Der Malgrund ist verstärkt, leicht gewölbt und unterstreicht den dynamischen Ausdruck.

Im Atelierhaus an der Steinmetzstraße boten die acht hier arbeitenden Künstler sowie deren Gäste anregende Fülle zum Entdecken. Begrüßt wurden die Besucher von Arbeiten der Künstlerinnen Christiane Behr und Maria Lehnen. Behr zeigte am Eingang von innen beleuchtete Objekte, die beispielhaft für ihre Auseinandersetzung mit geschichtetem Wachs, Tiefe und Transparenz stehen und neugierig machten, den ersten Eindruck im Raum nebenan zu vertiefen. Lehnen gab umfassende Einsichten in verschiedene Schaffensphasen. Im Flur stehen die großen Bronze-Wolfsfrauen als Symbol für Wachsamkeit und eine Mobilisierung der Urinstinkte. Kleinere Bronzefiguren variieren das Thema mit dem Januskopf von Wolf und Schaf. Das Schaf muss bei ihr nicht einfach nur brav sein. Schafsmänner im Bild entpuppen sich als Maskenträger, die ihr wahres Gesicht verbergen, sei es aus Müdigkeit, aus Hinterlist oder aus welchem Grund auch immer. Neben den Bronzearbeiten nimmt sich eine Serie von Polyester-Objekten sehr fragil aus. Im Licht werden sie transparent und die Anmutung von Sensibilität und Verletzbarkeit betont. Im Licht erfahren auch die Strukturen einer Malerei mit Metallpigmenten auf Samt eine wundersame Veränderung hin zu einer Plastizität, die Spuren freigibt.

Im BIS gastiert Jan-Josef Michnia mit einer Auswahl seiner Gemälde. Er lässt geflügelte Dame expressionistisch aufspielen. Ihre Arme und Beine sind überlängt und steigern den intensiven Ausdruck ihrer Hingabe an die Musik.

Quelle: RP
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