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Mönchengladbach
Vorbereitung auf die festliche Operngala

Mönchengladbach. An den Musikhochschulen fehlt oft die Praxiserfahrung. Seit vier Jahren betreut Andreas Wendholz das Opernstudio. Junge Sänger und Musiker haben hier Gelegenheit, den Bühnenalltag zu erproben. In der Operngala stellen sie sich vor. Von Heide Oehmen

Wenn junge Sängerinnen und Sänger nach intensiven Vorbereitungen endlich einen Studienplatz an einer Musikhochschule erlangt haben, stürzen sie sich meist voller Idealismus in ihr Gesangsstudium. Doch sie können nicht ahnen, wie kräftezehrend das von ihnen angestrebte Bühnendasein ist. An den Hochschulen bleibt die Praxis leider häufig außen vor.

Um diese Defizite auszugleichen, gibt es auch am Theater seit vier Jahren ein "Opernstudio" - in Kooperation mit der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf und der Hochschule für Musik und Tanz in Köln. Jeweils zwei Jahre lang können an den hiesigen Bühnen vier ausgewählte Sängerinnen und Sänger - die Stimmlagen Sopran, Alt, Mezzo, Tenor und Bass vertretend - sowie je zwei Pianisten, die auf dem Weg zum Kapellmeister ebenso auf praktischen Erfahrungen angewiesen sind, den Bühnenalltag erproben. Von Operndirektor Andreas Wendholz mit großem persönlichen Einsatz betreut, werden die Eleven, die meist ihr Studium fast beendet haben, in kleineren und manchmal sogar schon in anspruchsvollen Rollen des aktuellen Spielplans eingesetzt, erarbeiten eigene Produktionen - es sei nur an die großartige "Vier-Ton-Oper" erinnert - und gehen in die Schulen, um auch den Jüngsten Musik nahezubringen.

Eine der derzeitigen Stipendiatinnen ist die Französin Manon Blanc-Delsalle (26), die nach Studien in ihrer Heimatstadt Lyon seit 2010 in der Klasse von Professorin Brigitte Lindner an der Musikhochschule Köln Opern- und Konzertgesang sowie Gesangspädagogik studiert. In dieser Zeit absolvierte sie mehrere Meisterkurse und ist seit 2013 Stipendiatin der Stiftung "Yehudi Menuhin - Live Music Now". Im Sommer wird Manon Blanc-Delsalle ihren Master machen - ein Thema wird unbekannte Barockmusik vor Händel sein.

Die Mezzosopranistin berichtet begeistert von den ausgezeichneten Möglichkeiten, die das Opernstudio bietet, von den dankbaren Rollen, die man ihr schon anvertraute und den freundlichen und immer hilfsbereiten Kollegen des etablierten Gesangsensembles. Doch verschweigt sie nicht die immensen physischen und psychischen Belastungen. "Am Ende meiner ersten Spielzeit hier war ich völlig fertig, inzwischen habe ich gelernt, mich auf die theaterspezifischen Arbeitszeiten einzustellen und vor allem meine stimmlichen Kräfte einzuteilen - nicht zuletzt dank des Beispiels erfahrener Kollegen".

Trotz großzügiger Förderung durch mehrere Sponsoren muss das Opernstudio zu seinem Erhalt auch immer wieder selbst nach Geldquellen suchen. Deshalb veranstalten ehemalige und aktuelle Mitglieder dieser Einrichtung am Samstag, 11. Februar, um 20 Uhr im Konzertsaal des Theaters eine festliche Operngala. Begleitet von den Niederrheinischen Sinfonikern, die diesmal von drei hoch talentierten Nachwuchsdirigenten - ebenfalls aus dem Opernstudio - geleitet werden, sind anspruchsvolle Arien zu erleben - angefangen von Mozart über Rossini, Gounod, Donizetti, Puccini, Meyerbeer und Bizet bis zu Kálmán, Lehár und Strauß. Mit einer Ausnahme werden alle Studio-Mitglieder dabei sein: Tenor und Publikumsliebling Andrey Nevjantsev hat bereits das erreicht, was alle anderen anstreben. Er ist seit dieser Spielzeit festes Ensemblemitglied am Theater der Stadt Hof und infolgedessen unabkömmlich.

Quelle: RP
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