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Mönchengladbach
Warum Autos, Frau Sagnak?

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Mönchengladbach. Petra Sagnak ist Exotin - weil sie Oldtimer liebt und zu den gefragtesten Auto-Fotografinnen gehört. Ihre Bilder der "Mille Miglia" sind zum vierten Mal hintereinander ausgezeichnet worden. Was fasziniert sie bloß? Eine Annäherung. Von Ludwig Krause

Eigentlich ist es in San Marino nie neblig. "Und eigentlich hatte ich mir auch schon ganz genau überlegt, was für ein Motiv es werden sollte", sagt Petra Sagnak. Emotionen der Fahrer, Bewegung im Bild, das Publikum verwischt im Hintergrund. Als die "Mille Miglia", das wiederaufgelegte Oldtimer-Rennen durch Italien, aus Brescia nach San Marino kommt, wabern die Schwaden aber nur so durch die Luft. Tags zuvor hatte es schon geregnet - alles, was sich Sagnak vorgenommen hat, verschwindet im Nebel. Und doch baut sich plötzlich diese ganz besondere Szene auf. Wie der Kellner die Tasse an den Wagen bringt, wie das Café aus einem anderen Jahrhundert gefallen zu sein scheint. "Eigentlich ist es für das Motiv eher ungünstig, wenn ein modernes Auto hinter einem Oldtimer steht", sagt Sagnak. Und eigentlich ist dieser Teil der Strecke auch nicht unbedingt für Traummotive bekannt. Aber so ist es eben mit den Konjunktiven: Die 47-Jährige drückt ab. Und gewinnt beim Fotowettbewerb "Concorso Fotografico Bruno Boni". Zum vierten Mal in Folge. Sagnak kichert. Den Preis gibt es erst seit vier Jahren.

Petra Sagnak ist Exotin. Zum einen, weil Frauen hinter der Kamera an der Rennstrecke auch heute noch eine Seltenheit sind. Zum anderen, weil die Fotografin aus Mönchengladbach Oldtimer liebt, selbst einen Jaguar E-Type fährt und einen Blick für die Schönheit der Fahrzeuge hat wie kaum jemand anderes. Was fasziniert sie bloß an den Fahrzeugen? "Der Geruch, die Formen. Das ist Sinnlichkeit pur", sagt sie. "Natürlich ist es auch immer die Aufregung, die mitfährt." Und die Geschichte. "Was ist wohl in den Autos geliebt, gestritten und gelitten worden?", sagt sie. Einen Vorbesitzer ihres Oldtimers haben Sagnak und ihr Lebensgefährte in New York aufgespürt und getroffen. "Er ist mit dem Auto 20 Jahre durch die Stadt gefahren", sagt sie. Heute verbindet sie eine Freundschaft.

Mit neun Jahren bekommt Petra Sagnak eine Polaroid-Kamera geschenkt. "Ich habe einfach das Bedürfnis, der Welt etwas erzählen zu wollen", sagt sie. Und diesen szenischen Blick. Immer und überall auf der Suche nach dem besten Motiv, nach dem Kick, dem Spiel. Egal ob an der Rennstrecke in Italien, vor dem Château in Frankreich oder im Regen Englands. Mittlerweile gehört sie zu den gefragtesten Auto-Fotografinnen, ihre Auftraggeber sind Magazine wie Octane oder Auto, Motor und Sport, aber auch Maserati, Mercedes Benz und BMW, für das sie als Hausfotografin der Villa d'Este, einem Schönheitswettbewerb für Oldtimer, arbeitet.

Und das, obwohl sich Sagnak erst 2011 als Fotografin selbstständig gemacht hat, vorher arbeitete sie als Sonderschullehrerin. Ihr Geheimnis? "Ich versuche immer, möglichst unbemerkt zu bleiben, um die Szene nicht zu stören", sagt sie. Und dass sie - so paradox es klingen mag - auch bei der Auto-Fotografie an Menschen denkt. "Viele haben nur den Blick für die Fahrzeuge, verlieren aus den Augen, was drumherum geschieht", sagt sie. Dabei sind es häufig genau diese Szenen, die ihre Bilder auszeichnen. "Ich bin wie ein Tiefseetaucher, mag es Dinge zu ergründen. Langeweile interessiert mich nicht." Wenn sie dann "angeschaltet" ist, wie sie es nennt, kann sie auch schon mal Grundlegendes vergessen: Essen, Trinken, Toilette. "Einmal war es so knapp, dass ich fast umgekippt wäre, weil ich nichts getrunken habe."

Die 47-Jährige lebt und arbeitet in Mönchengladbach, besonders oft trifft man sie dort derzeit aber nicht. "Gerade in diesem Jahr bin ich viel unterwegs", sagt sie. Als Nächstes geht es zu den Classic Days in Jüchen, später im Jahr nach Paris. Ihre Familie teilt die Leidenschaft. Sagnaks Lebensgefährte führt ein Auto-Magazin, ihre Töchter haben schon Fotografie-Preise gewonnen. Tiefseetaucher-Nachwuchs, offenbar.

Quelle: RP
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