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Mönchengladbach
Was ihr wollt - Illyrien im Mietshaus

Mönchengladbach. Martin Schulze hat William Shakespeares Komödie "Was ihr wollt" für das Theater inszeniert. Morgen ist Premiere. Von Armin Kaumanns

Martin Schulze hatte gehörigen Respekt vor einer Shakespeare-Komödie, das gibt er freimütig zu. Der freischaffende Regisseur aus Köln, 42, der zurzeit am Theater Braunschweig "Dantons Tod" erarbeitet, war mit der Inszenierung von "Was ihr wollt" zum ersten Mal am Gemeinschaftstheater zu Gast. Die phantastische Liebes-Verwirr-Geschichte um ein schiffbrüchiges Zwillingspaar in der sonnigen, unbeschwerten Welt Illyriens wird nun von Krefeld nach Gladbach übertragen. Premiere ist am Freitag um 19.30 Uhr.

"Das Besondere am Stück ist diese enorme Selbstbezüglichkeit der Personen", sagt Schulze über den Liebes-Kosmos im Hause des Grafen Orsino, der komplett von der Ankunft der jungen, als Page Cesario verkleideten Viola (Nele Jung) durcheinander gebracht wird. Orsino wirbt nämlich um die schöne Olivia, die noch sieben Jahre um ihren toten Bruder trauern will. Als jedoch Viola-Cesario ihr das Ansinnen des Herzogs überbringt, verliebt diese sich haltlos in den schönen "Knaben". "Jeder am Hofe ist vernarrt in seine eigene Projektion vom Anderen", beschreibt der Regisseur die Ausgangslage, die nach vielen Irrungen und Wirrungen in der heilsamen Erkenntnis mündet, dass man sich wohl gründlich geirrt habe. "Shakespeare entwirft mit seinen schillernden Figuren und der überreichen Sprache ein ganz modernes Menschenbild", stellt er fest.

Ausstatter Ulrich Leitner hat für "Was ihr wollt" einen Raum erdacht, den Schulze als "karnevalesken Thespiskarren" bezeichnet: Die Bevölkerung Illyriens wohnt in einer Art dreistöckigem Mietshaus, das zum Parkett hin offen ist. "Jeder ist in seiner eigenen Illusion zu Hause, wir sehen eine Ansammlung solipsistischer Paradiese", beschreibt der Regisseur die Ausgangslage. Für die Vorbühne hat Leitner eine kleine Bretterbühne gebaut, quasi ein Theater vor dem Theater, auf dem Monologe und Begegnungen stattfinden können. "So können wir die Handlungsstränge parallel verlaufen lassen, damit die Figuren gleichzeitig an der zunehmenden Verwirrung teilhaben", sagt Schulze.

In der ersten Schauspielproduktion der Spielzeit dürfen sich die Zuschauer auf ein Wiedersehen auch mit einem Akteur freuen, der inzwischen das Ensemble verlassen hat: Daniel Minetti. Er spielt im Kreise seiner Kollegen den unfreiwillig komischen Haushofmeister Malvolio. Als Graf Orsino ist Adrian Linke, als Violas Zwilling Sebastian Cornelius Gebert und als Olivia Henrike Hahn zu erleben.

Quelle: RP
 
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