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Mönchengladbach
Welche Platten hört eigentlich der Liebe Gott?

Mönchengladbach. Wolfram Goertz weiß da ziemlich genau Bescheid - und teilt seinen CD-Schrank mit den Zuhörern. Von Armin Kaumanns

Nun also der Liebe Gott. In der neuerlichen Folge seiner musikalisch-humoristischen Vortragsreihe "Betreutes Hören" hüpft Wolfram Goertz dem alten Mann mit dem Rauschebart im Wohnzimmer seines goldenen Hauses irgendwo da oben im Himmel auf den Schoß und lässt sich herrgöttliche Lieblingsplatten vorspielen. Jedenfalls stellen wir uns das so vor, wenn der nach eigenen Angaben "Dienstälteste" in der Kulturredaktion der Rheinischen Post beim ausverkauften Heimspiel im Carl-Orff-Saal der Musikschule "Die Charts des Lieben Gottes" auflegt. Das Publikum ist wohlgelaunt und gespannt, was der "Jlabbacher Jong" denn diesmal auf der Pfanne hat.

Wolfram Goertz kriegt jede noch so scharfe Kurve, die er auf seiner Achterbahnfahrt durch die Rezeptionsgeschichte der geistlichen Musik eingebaut hat. Gerade noch kitzelt frischer Reibekuchenduft aus Mamas offenem Küchenfenster Klein-Wolfram, den Drittklässler, in der Nase - auf seinem Heimweg von der Schule Engelsholt, vorbei an der Pfarrkirche St. Michael -, schon säuselt Petula Clark den Liebessong aus "Jesus Christ Superstar" in den Saal. So hat der heutige Musikkritiker das damals erlebt, und der Herrgott wohl mit ihm. Wir erfahren von "Trauben von jungen Damen", die den jungen Korrepetitor des Hochschulchores umschwärmten und hören Händels "Hallelujah" aus dem "Messias" unter ganz anderen Vorzeichen - übrigens in einer besonders beschwingten Aufnahme mit René Jacobs. Goertz gelangt von Messiaens' "20 Blicke auf das Jesuskind" ("Seele baumeln lassen") über Leonhard Cohen zu Karel Gott (Biene Maja) - den Namensvetter hat der Liebe Gott im Internet gegoogelt. Die Reise geht weiter über Mozart (mit Gardiner) nach Sankt Pauli, dem größten Heiligen des Neuen Testaments. Dazu röhrt Jan Delay seine Hymne aufs Rotlichtviertel - und der halbe Saal mit.

Es gibt Bach - natürlich die H-Moll-Messe -, Pärt, Grieg und zum Finale das süßliche "In Paradisum" aus dem Fauré-Requiem. Dazwischen aber auch den Souler Sam McClain und als Beitrag zur Rubrik "peinlich" Mireille Mathieu mit "Wir sind alle Kinder Gottes". Ein bisschen länger als ein "Tatort" ist dieser unterhaltsam-hintergründige Zusammen-Musik-hören-Abend, dem ein Technik-Crash am Mittag beinahe den Garaus gemacht hätte. So ist alles ein wenig improvisiert, aber umso lebendiger. Eine Fortsetzung für November 2016 kündigte Wolfram Goertz auch schon mal an - er hat da Liebeslieder, die schönsten natürlich, in Sinn und Ohr. Und die Zeitungsleser unter den Zuhörern sind jetzt schon gespannt auf W.G.s "TOP 100". Demnächst in diesem Medium.

Quelle: RP
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