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Mönchengladbach
Wie das kleine Äffchen die Kunst erklärt

Mönchengladbach. Gleich zwei neue Führer für Kinder gibt es ab sofort im Museum Abteiberg. Studierende des Faches Kulturpädagogik haben sie erdacht und gemacht. Der eine erklärt die Architektur von Hans Hollein, der andere die Sammlung. Von Inge Schnettler

Vincent heißt Vincent wegen Vincent van Gogh und weil der Neffe von Tim Koehler Vincent heißt. Werke von Van Gogh sind im Museum Abteiberg gar nicht vertreten, und besagter Neffe hat mit dem neuen Museumsführer für Kinder wahrscheinlich nichts zu tun. Oder nur am Rande. So viel dazu. Tim Koehler ist einer von sechs Studierenden der Hochschule Niederrhein, die in einem comic-ähnlichen Heft Kinder auf Entdeckungsreise durch das Museum schicken. Er und seine Kommilitonen Larissa Mies, Max Meyer, Sabrina Berkhane, Maximilian Luczak und Alina Exner haben den Jungen mit dem Totenkopf-Shirt und der roten Kappe erfunden, der mit seiner Klasse das Museum besucht. Und sich ganz schnell entsetzlich langweilt. Erst, als er auf eigene Faust die Räume durchstreift, wird's lustiger. Er trifft auf die Skulptur 23 von Rudolf Belling, findet den Titel des Werkes blöd und sucht nach einem anderen. Dabei sollen die Kinder, die mit dem Heft die Kunstwerke erkunden, helfen.

Die Studenten hatten sich im Seminar "Methoden der Kunstvermittlung", das der Museumspädagoge Uwe Riedel leitete, die Aufgabe gestellt, Kindern den Spaß am Museum Abteiberg zu vermitteln. Das sollte mit dem aufwendig und liebevoll gestalteten Mitmach-Führer gelingen. Dass beim Rundgang mit dem Heft auch kniffelige Fragen beantwortet und Aufgaben gelöst werden müssen, die das kleine Äffchen vorgibt, das auf fast jeder Seite zu finden ist, macht es noch spannender. Das Äffchen, so sagen die Studenten, erklärt die Kunst.

Lisa Knobe, Franziska Nagel und Luca Melissa Rosenberger haben im Rahmen des Seminars an der Hochschule ebenfalls einen Führer für Kinder ab zehn Jahren herausgegeben. Der beschäftigt sich mit der Architektur von Hans Hollein. Mindestens einmal pro Woche haben sie ein Semester lang das Museum besucht, sie haben sich anfangs dauernd verlaufen und immer wieder die Orientierung durch den Hollein-Bau gesucht, um die außergewöhnliche Architektur nicht nur selbst zu begreifen, sondern sie auch Kindern nahe bringen zu können. Dabei haben sie festgestellt: Die Architektur dieses Museums beherbergt nicht nur Kunst, sondern ist selbst ein Kunstwerk.

Die Studenten haben Fotos in den Sammlungsräumen gemacht, aber auch im Vortrags-, Unterrichts- und Audiovisionsraum. Sie haben die Beleuchtungssystematik dargestellt und die Durchfensterung, die für Helligkeit in den Räumen sorgt. Sie haben die unterschiedlichen, oft gegensätzlichen Formen. Hinten im Museumsführer befindet sich ein Briefumschlag mit sieben Stickern, die in vorgegebene Felder auf die Fotos geklebt werden müssen. Das hat bei einem Testrundgang die Kinder restlos begeistert. Auf diese spielerische Art lernen sie die Räume kennen. Und auch die Details - wie etwa den bunten Stoffbezug des Sofas vor dem Vortragsraum oder die Signatur, die der Architekt und Künstler Hans Hollein auf der Marmortafel auf der Außenterrasse des Museums hinterlassen hat.

Beide Museumsführer werden mit Sicherheit reichlich genutzt werden. Weil es Spaß macht, wie bei einer Schnitzeljagd auf Entdeckungstour durchs Museum zu laufen. Übrigens: Auch Erwachsene werden ihren Spaß daran haben. Die Hefte gibt's an der Museumskasse und kosten jeweils 2 Euro.

Quelle: RP
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