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Mönchengladbach
Wie die Marsianer auf der Erde landen

Mönchengladbach. Thomas Mentsches hat mit seinem Band-Kollegen Ali Ottmann im Haus Daheim eine Band gegründet - zwei Menschen ohne und drei mit Autismus musizieren zusammen. Sie haben eine CD herausgebracht - und treten am Sonntag auf. Von Inge Schnettler

Die Stimme flirrt, sie sirrt, sie klingt ein wenig wie das hohe Zwitschern eines Vögelchens - fröhlich und unbeschwert. Fröhlich und unbeschwert ist auch der Gesichtsausdruck von Judith Reiprich - gleichzeitig hochkonzentriert. Sie hält Blickkontakt zu Thomas Mentsches, der die Gitarre spielt. Christoph Erben ist der Lead-Sänger der Band, seine Stimme ist sicher und gefühlvoll. Timm Leichtle sitzt an einem Instrument, das sich Chimes nennt. Seine Einsätze sind spektakulär. Wenn er mit einer Hand durch die Metallstäbe streicht, erzeugen diese eine wahre Klang-Kaskade. Ali Ottmann muss stehen, das verlangt die Größe seines Instruments - er zupft den Bass. Christoph Erben, Judith Reiprich und Timm Leichtle leben im Haus "Daheim" im Hardter Wald. Thomas Mentsches und Ali Ottmann sind zwei von drei Musikern von der Thomas Mentsches Band. Außerdem arbeiten beide in der Einrichtung, die Menschen mit Autismus ein Zuhause gibt.

Die Band, die Thomas Mentsches gegründet hat, nennt sich Martians & Earthlings. Thomas Mentsches sagt: "Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung bezeichnen sich häufig als Wesen, die auf einem fremden Planeten gelandet sind. Vielleicht sind sie Marsianer, die die komplizierten Regeln und Normen der Erdlinge nicht verstehen." Das gemeinsame Musizieren verbinde Betreuer und Betreute. Jeden Mittwochnachmittag wird geprobt. Und dieses Engagement führt zu ungeahnten Ergebnissen.

Die Martians & Earthlings haben jetzt ihre erste CD herausgegeben. "Songs from the wrong planet" (Lieder vom falschen Planeten) heißt sie und hält sieben Stücke - komponiert von Thomas Mentsches - bereit. Vier Tage lang haben die fünf Musiker im Studio von Fox Music Records verbracht - 150 Stunden waren es. "So was von Anstrengung!", sagt Christoph Erben.

Das wunderschöne Cover hat die c/o-Künstlerin Menia gestaltet - mit einem wahrhaft fantastischen Bild, das einen Menschen mit Vogelschnabel auf einem Fisch sitzend zeigt, der aussieht, als bestünde er aus zwei Fischen. "Ich brauche niemanden" hat Menia ihr Werk genannt. Sie hat es unentgeltlich für die CD zur Verfügung gestellt. "Außerdem hat die Stadtsparkasse uns mit einer großzügigen Spende geholfen, das Projekt zu verwirklichen", sagt Einrichtungsleiter Jörg Mathissen. "Sonst hätten wir es nicht geschafft." Die CD ist in einer Auflage von 500 Stück erschienen. Sie kostet 10 Euro.

Am Wochenende feiert Hardt seinen 900. Geburtstag. Dann sind die Martians & Earthlings mit von der Partie. Am Sonntag stehen sie ab 14.30 Uhr auf der Bühne. Und das ist nicht das erste Mal. "Wir haben schon dreimal auf dem Christkindlmarkt gespielt", sagt Thomas Mentsches. Und einen Auftritt hatten sie bei der Eröffnung des neuen Rheydter Marktplatzes. "Wir freuen uns über jede Auftrittsanfrage", sagt Mentsches. Im Sinne der Inklusion wollen die Musiker so oft es geht auftreten - gern bei Festen, die Menschen mit Handicap zugute kommen, gern aber auch zu allen anderen Gelegenheiten.

Die Bandprobe geht weiter. "Sitting on a reinbow - I feel fine", singen sie. In diesem Moment fühlen sich die Marsianer ganz wohl und sicher auf dem Planeten Erde.

Informationen über das Haus Daheim und die Band gibt es online auf www.autismus-mg.de

Quelle: RP
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