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Mönchengladbach
Wie Norbert Krause die Stadt umrundete

Mönchengladbach. Fast 100 Kilometer, drei Tage unterwegs, fünf Blasen an den Füßen: Der Künstler hielt durch. Eine Liebeserklärung an seine Heimatstadt. Von Inge Schnettler

Dieses Gladbach-Rheydt-Ding, diese ewigen Rivalen-Kämpfe - die hat er nie verstanden, obwohl er in der Stadt geboren und aufgewachsen ist. Allerdings in Wickrath. Norbert Krause hat sich auf den Weg gemacht, um das komplette urbane Gebilde einmal zu umwandern. "Aus der fernöstlichen Philosophie kennen wir den Brauch, wichtige Dinge zu umrunden", sagt der Künstler. Mit seinem Gang hat er also Wertschätzung und Zuneigung - womöglich Liebe - zum Ausdruck gebracht. Erlebt hat er auf jeden Fall eine ganze Menge.

Laut Wikipedia sollte die Strecke 87 Kilometer lang sein. An Bahnlinien und Autobahnen musste Krause Umwege in Kauf nehmen. "Da war mir dann doch mein eigenes Leben mehr wert", sagt er. Unterm Strich kamen so "90 bis 100 Kilometer" zusammen. Drei Tage hat er für die Strecke benötigt. Fünf Blasen hat er sich an den Füßen gelaufen. Erstaunliches und Unerwartetes hat er erlebt.

Auffällig: Von der Stadtgrenze aus ist kaum einmal Architektur zu sehen. Allüberall, egal aus welcher Richtung man auf die Stadt blickt - Maisfelder, Wiesen und Windräder. "Oft bin ich zwei, drei Stunden gelaufen, ohne einen einzigen anderen Menschen zu treffen, sagt der Künstler, der im Normalleben weniger zu Fuß als auf dem Fahrrad unterwegs ist. Im Süden der Stadt kam Unerwartetes auf ihn zu, beziehungsweise: Er traf auf Unerwartetes. "Ich hatte die Orientierung verloren und stand vor einer riesigen grauen Wand." Eine Autobahnbrücke? Oder was? Sein Navi wollte ihn einfach durch das Hindernis schicken. Es half nichts, er musste weiter. "Ich lief an der Mauer entlang und stellte am Ende fest, dass es das Gebäude von Zalando im Regiopark war." Das hatte sein Navi wohl noch nicht auf dem Schirm.

Unwirklich, faszinierend: So beschreibt Krause seine Begegnung mit dem Braunkohle-Tagebau im Süden der Stadt. Bis zum Schild "Achtung Lebensgefahr" hat er sich herangetraut. "Dann bin ich rechts abgebogen und weitergewandert." Um das JHQ ist er herumgewandert - immer am Zaun lang. Dann - der Hardter Wald. "Da waren auch noch andere Menschen unterwegs."

Drei Tage wanderte Norbert Krause, 26 Stunden insgesamt. Vorher hatte er schon mal mit sich selbst gehadert: "Warum tue ich mir das an?" Aber als er einmal unterwegs war, gab es kein Aufhalten mehr. "Man kommt ganz gut um Mönchengladbach herum", sagt er. "Man könnte einen Wanderweg anlegen - einmal um die ganze Stadt."

Quelle: RP
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