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Mönchengladbach
Wie Pinocchio ins Leben tanzt

Mönchengladbach. Am Samstag ist Premiere: Robert North kreierte das Pinocchio-Ballett, André Parfenov komponierte die Musik. Es ist ein zauberhaftes Stück - für Kinder und für Erwachsene. Ein Probenbesuch. Von Inge Schnettler

Paolo Franco hat Probleme mit seiner Hose. Marco A. Carlucci fummelt seinen Kollegen ein letztes Mal in das grasgrüne Beinkleid - dann geht die Probe los. Aus Franco wird Pinocchio, und Carlucci verwandelt sich in Geppetto, den Schnitzer, der die Puppe geschaffen hat. Die sitzt wunderbar hölzern auf der Werkbank und lässt sich vom Meister das rechte Bein anschrauben. Springt dann hinunter, fällt zu Boden, rappelt sich wieder auf, umtanzt und umarmt seinen Schöpfer. Wobei ihm doch tatsächlich noch einmal die kurze Hose zu entwischen droht. Es hilft nichts - das Spiel beginnt. Und zwar furios.

Pinocchio und Geppetto tanzen in die Welt hinaus. Geppetto verkauft seinen einzigen Mantel, um seinem "Sohn" den Schulbesuch zu ermöglichen. Der entscheidet sich aber anders. Er treibt sich im Puppentheater herum, geht auf eine Party, lässt sich von einer reichen Frau neu einkleiden und von zwei Halunken bestehlen. Wie eigentlich schaffen es die Tänzer, ohne Worte eine solche Geschichte zu erzählen? Natürlich mit dem Ausdruck ihrer Körper, mit Geschmeidigkeit und Eckigkeit, mit Geschwindigkeit und Zurückhaltung, starker Gestik und ausdrucksvollen Minen.

Sparsam nur wird die Erzählstimme zwischen den Szenen eingesetzt. Genug auf jeden Fall, um Ort und Zeit zu klären. Alles andere erzählen die Tänzer - und die großartige Musik, die André Parfenov für dieses Stück geschrieben hat. Der Solopianist des Theaters sitzt mit einigen Mitgliedern der Niederrheinischen Sinfoniker auf einer Plattform oberhalb der Bühne, so wie man es vom Zirkus kennt. Eine Lichterkette umspannt die Musiker, spendet ausreichend Licht, unterstreicht auch den Manegen-Charakter.

Und dann erlebt der Besucher, wie Musik ud Tanz eins werden, wie sie sich gegenseitig blind vertrauen können. Verfolgungsjagden auf der Bühne werden getrieben von der Musik, sie fetzt die wilden Tanzorgien in der Partynacht, sie umschmeichelt Pinocchio, als er die Liebe entdeckt. Die Tänzer reagieren auf die Musik, ihre Bewegungen werden von ihr geleitet - das Ganze hat etwas Magisches.

Hochkonzentriert absolvieren die Akteure die Probe. Sheri Cook, Choreografie-Assistentin an der Seite ihres Mannes Robert North, sitzt an diesem Abend am Regietisch. Es gibt kaum Unterbrechungen. Einmal nur muss kurz innegehalten werden. In der Absicht, die Bühne in diffuse Atmosphäre zu tauchen, wird den Musikern das nötige Licht genommen. Sheri Cook reagiert sofort, die Glühbirnen leuchten wieder, sie entschuldigt sich bei André Parfenov. Der Umgang der Theaterleute miteinander - das wird nicht nur an dieser Stelle deutlich - ist ausgesprochen respekt- und liebevoll. Das ist wirklich sympathisch.

Am Ende wird das Verbeugen geprobt - ja, auch das muss sitzen. Alles klappt. Die Premiere kann kommen.

Für die Uraufführung des Balletts am Samstag, 22. Oktober, 16 bis etwa 17 Uhr, auf der großen Bühne des Theaters gibt es noch Tickets. Sie können online auf www.theater-kr-mg.de und unter der Nummer 02166 6151-100 reserviert werden.

Quelle: RP
 
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