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Mönchengladbach
"Wise Guys" und "Fun & Friends" treffen den Ton

Mönchengladbach. Die beiden Konzerte ließen bei den Besuchern der Sommermusik Schloss Rheydt nostalgische Gefühle aufkommen - und Partystimmung. Von Garnet Manecke

Da ist sie noch einmal durchgekommen, diese unbeschwerte Lässigkeit, die die Sommermusik auf Schloss Rheydt in ihren ersten Jahren auszeichnete. Mit der unausweichlichen fortschreitenden Professionalisierung schien sie verlorengegangen zu sein, doch die "Wise Guys" haben sie mit nur einem einzigen Song zurückgebracht. Nach ihrem Konzert stellten sie sich in Jeans und T-Shirt im Schlosshof ihren Fans und sangen ohne Mikro. Wer gewartet hatte, erlebte die Wise Guys quasi zum Anfassen - ein besonderer Moment der neunten Sommermusik.

Aber auch diejenigen, die sich nach dem letzten offiziellen Ton schnell zu ihrem Parkplatz aufgemacht haben, hatten zuvor einen Abend erlebt, an dem die fünf Sänger der A-cappella-Gruppe ihrem Publikum viele äußerst amüsante Augenblicke bereiteten. Zweieinhalb Stunden zeigten die Musiker, warum die Tickets für ihr Konzert als einzige in der Sommermusik-Reihe schon im Vorfeld alle verkauft wurden. Witzige Texte, eingängige Melodien, lässige Choreographien und humorvolle Moderation: Das ist ihr Erfolgsrezept.

Dabei spielt auch eine Rolle, dass sich die Musiker in ihren Texten nicht nur großen Herz-Schmerz-Gefühlen widmen, sondern skurrile Alltagsgeschehnisse und kleine Ärgernisse aufs Korn nehmen. Ein Klassiker in dieser Rubrik ist beispielsweise der Song "Deutsche Bahn", so aktuell wie eh und je, wie die jüngsten Streiks bewiesen haben. Dieses Gefühl des "Genau so isses", das sich beim Hören der Texte einstellt, zieht sich durch das Konzert und schafft die besondere Verbindung zwischen Sängern und Publikum.

Dass die Sänger als Mittvierziger nicht mehr zu den ganz Jungen, aber auch noch nicht zu den richtig Alten zählen, ist ein weiterer Punkt, der sie mit dem Großteil ihrer Fans verbindet. "Das Jugendwort 2014 ist ,Läuft bei Dir'. Als meine 15-jährige Nichte das zu mir gesagt hat, habe ich ganz irritiert an mir heruntergekuckt", erzählt Dän Dickopf. "Als wir so jung waren wir Ihr, da gab es noch alle paar 100 Meter einen gelben Kasten, in den ein bis acht Leute hineinpassten. Darin war ein Telefon, nur zum Telefonieren", wendet er sich an die paar unter 25-Jährigen im Publikum. Die Elterngeneration erinnert sich: Ja ja, so war sie, die eigene Jugend.

Blieben im ersten Teil des Konzerts die Zuhörer noch auf ihren Stühlen sitzen, bewiesen die fünf Sänger nach der Pause, dass sie ihre Fans auch vom Hocker reißen können: Bei "Antidepressivum" stehen die ersten auf, klatschen und singen begeistert mit. Bis zum Ende des Konzerts steigt die Stimmung jetzt unaufhörlich.

Nur einmal ziehen sich die Sänger leichten Unmut zu, als sie ein wenig despektierlich über die Chancen von Borussia Mönchengladbach in der bevorstehenden Champions- League-Saison sprechen. Wenn den Musikern auch sonst alle Sympathien gehören: Hier gehen sie dann doch zu weit. Da sollten sie sich an ein Lied aus ihrem Repertoire halten: In Gladbach ist das "Keine gute Idee". Aber mit ihrem Konzert machen sie diesen Fehler dann doch wieder gut.

Da war Gänsehaut garantiert: Am Samstagabend gab das Jugendsinfonieorchester der Stadt Mönchengladbach gemeinsam mit der Band "Fun" Welthits der Pop- und Rock-Geschichte zum Besten. Auch das Chorensemble "Stimmlich" und viele weitere Überraschungsgäste waren mit von der Partie und begeisterten das Publikum bei der Sommermusik Schloss Rheydt.

Das diesjährige Konzert "Music was my first love" war der neunte offizielle Auftritt von "Fun and Friends". "Eigentlich feiern wir in diesem Jahr aber auch ein Jubiläum", sagte Veranstalter und "Fun"-Frontsänger Günter vom Dorp. "Vor zehn Jahren haben wir schon auf einer Beatles-Ausstellung Musik gemacht!"

Den Einstieg zum langen Konzert machte vom Dorp, der auch für die musikalische Zusammensetzung verantwortlich war, nach einem kurzen, musikalischen Intermezzo mit der ehemaligen "The Voice Kids"- Teilnehmerin Paulina selbst. Mit der kraftvollen Umsetzung von "Black is black" der spanischen Rockgruppe "Los Bravos" gelang ihm ein stimmungsvoller Beginn. "Lasst heute mal alles raus und schiebt den blöden Frust beiseite. Wir sind hier, um Spaß zu haben. Also lasst die Puppen mal so richtig tanzen!", empfahl er dem gespannten Publikum. Selbiges ließ sich das nicht zweimal sagen.

Neben Songs wie "Everlasting love", "Loco-Motion" oder "Pretty woman" lebte das Konzert auch von diversen, nicht nur deutschen Erzählsequenzen. So stellte Günter vom Dorp zwischen den einzelnen Songs auch Bandmitglieder oder Überraschungsgäste vor. Außerdem sprach er von seinem kranken Bassisten Jonny, der an diesem Abend leider nicht dabei sein konnte.

Bei der Ankündigung des Liedes "Made the world a little younger" schwelgte vom Dorp in nostalgischer Erinnerung. "Wenn man auf den Kalender des Lebens guckt und sieht, dass schon mehr als die Hälfte abgerissen ist, wird man manchmal etwas wehmütig", gab er unumwunden zu. "Man wünscht sich dann, die Zeit zurückdrehen zu können, um vieles einfach noch einmal erleben zu dürfen."

Weitere Highlights des Abends waren ein großartiges Adriano-Celentano-Double und der Mann mit der Reibeisenstimme, "Rob Sure". Dank den Songs "Beautiful" von Joe Cocker oder "Hero" von "Family of the year" brachte der Gastsänger die Bühne zum Beben und erntete stehende Ovationen.

Seit Beginn des Konzertes vernahm man unter den Gästen eine nicht abreißen wollende gute Stimmung. "Ich bin das erste Mal auf dieser Veranstaltung und es macht mir wahnsinnig viel Spaß. Für mich ist das hier heute Abend ein Ausbruch aus meinem Alltag, und es tut sehr gut, dabei von Songs begleitet zu werden, die ich schon als Kind super gerne gehört habe", gab Besucherin Claudia (38) begeistert an und suchte sich schnell wieder einen Platz vor der Bühne.

Zum Ende des Konzertes dann erzählte Günter vom Dorp, wie sehr er die Zusammenarbeit mit dem Jugendsinfonieorchester schätze - und dass er sich bereits jetzt auf viele weitere gemeinsame Auftritte freue.

Quelle: RP
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