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Mönchengladbach
Wo Kunst gucken echt viel Freude macht

Mönchengladbach. Eigentlich sollten Jan Koch und Fabian Seyd das Haus an der Humboldtstraße 62 nur zum Nächtigen nutzen. Aber die beiden Künstler waren davon so begeistert, dass ihre Ausstellung von der Galerie Börgmann dorthin verlegt wurde. Von Inge Schnettler

Wem das Herz schwer ist vor Kummer, der sollte sich heute schnurstracks auf den Weg zur Humboldtstraße 62 machen. Die Ausstellung, die in dem Haus aus der Gründerzeit zu sehen ist, wird ihn trösten. Und der Zufriedene wird in diesem Haus sein vollendetes Glück finden. Garantiert. Denn das, was Jan Koch und Fabian Seyd dort zeigen, macht einfach richtig viel Spaß. Die beiden Künstler leben in Berlin, ihre Ateliers sind Tür an Tür. In Mönchengladbach sind sie, weil der Galerist Jochen Börgmann und sein Kompagnon Ulf Schroeders sie eingeladen haben. Letzterem gehört das tolle Haus.

Eigentlich sollten sie in dem prächtigen Haus (innen und außen!) unweit des Schillerplatzes nur nächtigen. Aber als sie die Räume sahen, war schnell entschieden: Hier soll die Ausstellung sein (die eigentlich für die Galerie an der Wallstraße 7 geplant war). Und so wurde es gemacht. Heute von 11 bis 16 Uhr darf jeder mal reinschauen - und ruhig auch länger verweilen. Es lohnt sich. Und wer es heute nicht schafft, kann sich bei Jochen Börgmann melden und einen Termin vereinbaren. Seine Telefonnummer: 0160 3600957.

Beginnen wir mit Jan Koch. Der gebürtige Gladbacher ist ein liebevoller Maler. Seine Farbflächen setzt er warm und schön, weich und leise auf die Leinwand. Er scheut nicht vor Spiegelei-Gelb zurück, auch nicht vor Ferkelchen-Rosa. Und indem er mit feiner Intuition die Farben platziert und miteinander kommunizieren lässt, gibt er dem Betrachter die größtmögliche Freiheit, auf sie zu reagieren. "Da sieht jeder etwas anderes, und das ist auch gut so", sagt Jan Koch. Wo der eine einen Korb voller prachtvoller, auch exotischer Früchte entdeckt, sieht ein anderer möglicherweise einen Hasen mit aufgestellten Ohren. Oder sein Enkelkindchen. "Das Bild macht sich selber, aber ich lenke es", sagt der Künstler. Und mit seinen Bildern, die die Freude zeigen, die er beim Malen hat, eröffnet er sich seine ganz eigene Welt. Und die umfängt den Besucher - mit ganz viel Energie und Kraft.

Daran kommt niemand vorbei. Im Treppenhaus hängt ein eher kleines schwarz-weißes Bild von Fabian Seyd - eine Schneegebirgs-Landschaft mit sieben Wanderern. Feinste Malerei suggeriert die Kühle des Schnees, die Wolken sind fluffig, die Menschen konzentriert. "Das Bild habe ich im warmen Atelier gemalt, dafür musste ich nicht in die eisigen Berge reisen", sagt der Künstler lachend. "Bei uns in Berlin ist der Schnee nicht weiß, sondern matschig-braun." Und so wie er die imaginäre Reise in die weiße Welt antreten konnte, schaffte er es auch nach Ozeanien. Aus einem flachen Podest ragen kräftige Zweige in den Raum (Achtung, Kopf einziehen!), darunter findet sich allerlei Wundersames: Schädel, Masken, Federn, Knochen, und in den Zweigen sitzen bunte Vögel und eine winzig kleine Fledermaus. "Das könnte alles aus Papua-Guinea sein", sagt Fabian Seyd. Ist es aber nicht, das meiste hat er im Internet gefunden - oder im Garten. Die Bilder an den Wänden sind fast abstrakt, die dunklen Grüntöne - gern auch mal mit einem leuchtenden Magentapunkt dazwischen - ziehen in die Tiefe des Dschungels. Davor schimmern weiße Farne und Gräser.

Die beiden haben Spaß am Kunstmachen. Das überträgt sich.

Quelle: RP
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