| 00.00 Uhr

Mönchengladbach
Wo Südafrika und Marokko ganz nah sind

Mönchengladbach. Auf seinen Reisen sammelt der c/o-Künstler Wolfgang Speen Sand und Erde. Die Erinnerungen landen oft in seinen Bildern und geben ihnen ein unverwechselbares Aussehen. Einige seiner Werke sind jetzt in Eicken zu sehen. Von Inge Schnettler

La Gomera hängt gleich neben Südafrika - und Marokko ist nicht weit entfernt. Kasul betört mit intensivem Yves-Klein-Blau, und Tulsu brennt in Knallrot. Auril und Liraus scheinen wie Vorboten des Frühlings. Wie leuchtende Blumen strahlen gelbe Farbflecken aus dem dunkleren Grund. Und allesamt sind sie das Ergebnis unzähliger Kämpfe, sagte Kunsthistoriker Bernhard Jansen bei der Eröffnung der Ausstellung von Wolfgang Speen. Die Kämpfe ficht der Künstler im Keller seines Hauses in Günhoven aus. Dazu gibt es Musik vom Schallplattenspieler. Klassische soll es in der Regel sein. Im Projektraum des Kulturbüros EA 71 an der Eickener Straße ist nun eine Auswahl seiner Bilder zu sehen. "Malerei als Abenteuer - Sakkum, Fydor und andere Gesellen" heißt die Präsentation in dem ehemaligen Ladenlokal.

Allesamt sind sie Speens Gesellen, jedes Bild trägt einen Namen. Klang-Laute nennt sie der c/o-Künstler. Farbklänge nennt er seine Bilder. Aber auch Kopflandschaften. Beides geht. Einerseits zeigen die Bilder exakt das, was sie sind. Speen verwendet Farbe, Erde aus Südafrika, Sand aus Marokko und aus La Gomera, Asphaltlack, Stein- und Marmormehl, Harze, Kreide, Asche und seit einiger Zeit auch Rost. Und all das kann der Betrachter fast mühelos nachvollziehen. Der Künstler sagt: "Ich versuche mich an der reinen Malerei." Er schafft's - und steht damit der Informellen Malerei ganz nah. Aber auch Assoziationen sind erlaubt - an Landschaften, die Natur in immerwährender Veränderung, an den ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen. Der Künstler skizziert die Natur nicht in der Natur, es sind es die Bilder von Natur, die in seinem Kopf entstehen. Kopflandschaften passt als Begriff deshalb prima.

"Meine Leinwände lege ich oft auf den Boden", sagt Wolfgang Speen. Die Farbe wird geschüttet, getropft und gespritzt. "Ich lasse sie verlaufen, walze und spachtele sie und erzeuge ein Geflecht aus Linien, Flecken, durchscheinenden und deckenden Schichten, Spritzern und Schlieren." Es entstehen Bilder, die im Spiel mit dem gelenkten Zufall den Akt des Malens selbst thematisieren, sagt er. "Oft wasche ich die Farbe auch wieder ab, die Bilder werden immer wieder neu bearbeitet, ich schabe und furche das Material mit Spachteln und Rakeln, manchmal auch mit den Händen." Wenn Wolfgang Speen diesen Prozess beschreibt, gibt das ein gutes Bild von seiner permanenten Suche.

Es ist die Suche nach den Zusammenhängen der Farben und Materialien, die Suche nach der Tiefe im Bild, seine Suche nach der künstlerischen Wahrheit. Das hat etwas von Neugier, aber das hat, wie Bernhard Jansen sagt, etwas von Kampf. In jedem Fall ist es eine haptische und geistige Auseinandersetzung mit der eigenen Kunst, die intensiver nicht sein könnte. Und dann ist das Bild fertig. Wann? "Das merkt man einfach, irgendwann ist es soweit."

Die Ausstellung im EA 71 ist bis zum 31. Januar jeweils samstags und sonntags von 12 bis 16 Uhr zu sehen.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Mönchengladbach: Wo Südafrika und Marokko ganz nah sind


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.