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Mönchengladbach
Zeit der Kannibalen - Freundschaft zwischen Elefant und Regenwurm

Mönchengladbach. Bruno Winzen inszeniert Stefan Weigls jungen, überraschenden, antikapitalistischen Film-Erfolg "Zeit der Kannibalen" auf der Studiobühne. Von Armin Kaumanns

Aus Büchern werden ja auch Filme gemacht. Oder sogar Opern. Da ist es doch klar, dass Leute, die Theater spielen, Lust kriegen, einen Film für die Bühne umzumodeln. Da sind zwar die Schauspieler wenn nicht schlechter, so doch sicher schlechter bezahlt. Aber live ist schließlich unschlagbar. Im Fall von "Zeit der Kannibalen" hat sogar mit Bruno Winzen ein gelernter Schauspieler nach dem Filmstoff gegriffen, der in der letzten Saison zum Überraschungserfolg in den Programmkinos wurde. Zuerst wollte Winzen sogar das Bühnenstück selbst schreiben. Das hat jetzt Drehbuchautor Stefan Weigl übernommen. Aber die Rechte, das Stück erstmalig aufzuführen, hat Winzen erhalten. Und das tut er: auf der Studiobühne des Theaters.

Um es gleich zu sagen: Ein großer Wurf ist Bruno Winzens erste Regiearbeit jetzt nicht gerade, aber auch kein wirklicher Flop. Man amüsiert sich nämlich ganz gut in den anderthalb Stunden, in denen es vor allem an sprachlichen Pointen nur so herumballert. Denn was die Unternehmensberater Öllers (Paul Steinbach) und Niederländer (Ronny Tomiska) in den diversen Metropolen der unterentwickelten Welt an Verhalten an den Tag legen, ist so etwas von abstrus real, dass man ersticken möchte, wenn man nicht dauernd lachen müsste. Die Reichen fressen die Armen, so ist das im Kapitalismus. Und Öllers begleitet sein Handeln mit menschenverachtendem Sarkasmus, Niederländer mit hysterischem Sportsgeist. Steinbach vollführt keinen Tonartwechsel zwischen Ausbeuter und Familienmensch, zwischen dem Macho, der Zimmermädchen flachlegt und dem Vater, der dem Sohn die Freundschaftsgeschichte von Elefant und Regenwurm erzählt. Tomiska bleibt manisch fokussiert auf seine Karriere, ein körperliches Schlangenwesen mit Grimassen-Kontrollverlust. Beide reagieren wenig menschlich auf die neue Kollegin März, der Lena Eikenbusch ein geschmeidiges Wesen mit einem Hauch von Gewissen verleiht.

Winzen hätte mehr am Sprachtempo, an den Figuren feilen können. Dann hätten die Pointen der Bühne (Udo Hesse) - immer das gleiche Hotelzimmer, nur die eine, einzige Deko wechselt von Indien nach Afrika, China und so weiter - noch besser gewirkt. Dass ihm ein Kasperltheater als Prolog eingefallen ist, ehrt ihn, tut aber nichts weiter zur Sache. Die sich wiederholenden Umbauten (Bett rein, Tisch raus) sind lustig, die Umbaumusik weniger.

Die Geschichte endet im wirklichen Krieg, und da wird diesmal keiner heil rauskommen. Wenn das nicht so witzig und böse erzählt wäre, man müsste sich entsetzen. Großer Beifall.

100 Minuten, keine Pause. Vorstellungen am 3., 17., 23. Dezember, 10. Januar, 3., 9. März. Jeweils 20 Uhr. Karten 02166 6151100.

Quelle: RP
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