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Mönchengladbach
Zeit der Kannibalen: Weltfremde Unternehmensberater

Mönchengladbach. Zum ersten Mal führt der Schauspieler Bruno Winzen Regie. Er inszeniert das Stück "Zeit der Kannibalen" von Johannes Naber und Stefan Weigl, eine Groteske über die Abgründe der wirtschaftlichen Globalisierung, im Theaterstudio. Am Freitag ist die Uraufführung. Von Dirk Richerdt

Bruno Winzen ist ein in vielerlei Facetten erprobter Schauspieler. Der 1967 in Porz (heute Stadtteil Kölns) geborene Künstler, der die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart absolviert hat, stand bereits 1996/97 auf den Bühnen in Krefeld und Mönchengladbach. "Damals als Gast, ich habe den Bassanio im ,Kaufmann von Venedig' und den Flieger in ,Der gute Mensch von Sezuan' gespielt", erinnert sich Winzen. Die Gladbacher werden ihn freilich eher mit der Rolle des Jago in "Othello", mit dem Winzen 2010 am Niederrhein seinen Einstand ins Ensemble gab, als Faust, Ödipus und als Ill in "Besuch der alten Dame" in Verbindung bringen.

Jetzt hat Bruno Winzen "die Seiten gewechselt" und erstmals auf dem Regiestuhl Platz genommen. Seine Jungfern-Inszenierung wird zugleich eine Uraufführung sein: Freitag, 27. November, 20 Uhr, wird das ursprünglich als Film produzierte Stück "Zeit der Kannibalen" von Johannes Naber und Stefan Weigl im Studio des Theaters uraufgeführt. "Damit erfüllt sich für mich ein langgehegter Wunsch", gesteht Winzen. Seine Lust am Inszenieren sei durch seine langjährige Unterrichtstätigkeit an einer privaten Schauspielschule in Köln geweckt worden, wo er Produktionen mit Schauspielschülern erarbeitete.

Winzen hat Schauspieldirektor Matthias Gehrt selbst vorgeschlagen, "Zeit der Kannibalen" zu erarbeiten. "Ich hatte den Film gesehen und war von dem Stoff begeistert", erzählt der 48-Jährige. Der Film wie auch die vom Verlag aus dem Drehbuch entwickelte Schauspielfassung ist eine Farce über die Globalisierung. Zwei Unternehmensberater, Öllers und Niederländer, jetten im Team um die Welt, um ihren Kunden bei Strukturanpassung und Profitmaximierung ihrer Unternehmen zu helfen. "Es sind zwei Karrieristen, die mit angewidertem Blick auf die Situation der Beschäftigten schauen, welche in den international aufgestellten Unternehmen arbeiten, in denen nicht die europäischen Standards von Umwelt- oder Arbeitsschutz gelten", erzählt der Regisseur. Das Stück soll zeigen, dass den Unternehmensberatern mit ihrer verengten Perspektive Wesentliches fehlt. "Öllers und Niederländer interessieren sich nicht für die reale Welt draußen und, wichtiger, sie kennen diese Lebenswelt gar nicht", erklärt Winzen. Gier nach Erfolg, nach dem ultimativen Karrieresprung, aber auch Angst davor, von Kollegen übervorteilt zu werden, bestimmt ihr Verhalten. Was in dem Titel, "Zeit der Kannibalen", sinnfällig angedeutet ist. "Die Top-Performer bewegen sich wie in einem Haifischbecken", schildert Winzen ihre Lage.

Das Stück wolle all dies mit den Mitteln der Groteske, aber auch des Humors verdeutlichen, betont der Regisseur. Monströse Dinge würden angesprochen, die den Zuschauer durchaus zum Lachen anregen können. "Das Abgründige besteht darin, dass diese Globalisierungskritik tatsächlich Wirklichkeit beschreibt", resümiert Bruno Winzen.

Das Bühnenbild und die Kostüme hat Ausstattungsleiter Udo Hesse entworfen. Er montierte einen Rahmen vor die Bühne, der die Abtrennung der Binnenwelt der Consulting-Masters in ihrer Hotelunterkunft vom realen Leben draußen markiert.

Die Premiere ist fast ausverkauft; weitere Vorstellungen am 3., 17., 23. Dezember; 10. Januar; 3. und 9. März 2016. Karten: 02166 6151-100.

Quelle: RP
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