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Mönchengladbach
Zwei Orte voller Spannungen

Mönchengladbach. Der MMIII und die Viersener Villa V stellen Vera Lossau und Amit Goffer aus. Von Angela Wilms-Adrians

Auf den ersten Blick haben Vera Lossaus und Amit Goffers Arbeiten keine Gemeinsamkeiten. Goffer nutzt andere Materialien und wirkt im Ganzen strenger. Lossaus arbeitet gerne mit Farbe. Die Kontraste bergen für die Doppelausstellung im MMIII und in der Viersener Villa V ein gewaltiges Spannungspotential, aber auch unerwartete Bezüge. Diese geben sich etwa in Verweisen auf die Vergänglichkeit zu erkennen und schaffen sparsam gesetzt spannend aufgeladene Begegnungen. "Das ist eine Auseinandersetzung mit zwei Häusern, die sehr unterschiedliche Architektur anbieten", begeistert sich Kuratorin Hannah Eckstein für diesen "Change of Guards", eine Wachablösung der Orte und Kunstpositionen.

Beim Ausstellungsprojekt "Doppel X" reagieren Lossau und Goffer auf die vorgefundenen Räumlichkeiten. Für Vera Lossau, einst Stipendiatin im Atelier an der Steinmetzstraße, ist die Präsentation zugleich ein Wiedersehen mit dem MMIII. Vor etwa zehn Jahren hat sie beim Kunstverein ausgestellt. Ihre Werke werden vornehmlich in der Viersener Villa mit Wohncharakter zu sehen sein. Im MMIII aber setzt sie Akzente. Da sind etwa die in Polymergips gegossenen Sandsäcke, die in der Formgebung beweglich anmuten, während ihre Farbigkeit über zerlaufende Farbnasen den Prozesscharakter transparent machen. Darin liegt indirekt der Hinweis auf Veränderung und letztlich auf Vergänglichkeit. Inspiriert wurde die Skulptur von Eindrücken in Israel, den Sandsäcken, die gegen Gewehrschüsse und an anderen Orten auch gegen Wasser schützen sollen. Die Bodeninstallation stellt eine solche Schutzfunktion über ihre geringe Höhe in Frage. Lossau versteht sich nicht als Videokünstlerin, doch auf der nackten Wandfläche des MMIII lässt sie über Computeranimation im direkten Bezug zum Gebäude einen Ring in Endlosschleife rotieren.

Hier bietet sich der Bezug zu Amit Goffers Objekt mit Windrad an. Das hat keine eigentliche Funktion, thematisiert aber auch ein ständiges Umkreisen. Mit den Materialien Beton, Holz und Gitter bezieht sich Goffer konkret auf den Ort. In der oberen Galerie schwebt ein Boot frei im Raum. Alt und neu sind über das Holz der Grundform und Oberfläche kombiniert. Betreten ist ausdrücklich erlaubt. Derweil ist der durchdringende Sound der Nachbarinstallation zu hören - mit der Lust an Gegensätzen ein Mix aus organischen und industriellen Lauten. Die Installation umspielt einen geschlossenen Raum mit Fluchtmöglichkeit. Statische Vorgaben kontrastieren mit rotierenden Elementen und flackerndem Licht und schaffen eine seltsame Atmosphäre von Innen- und Außenraum, dem Gefühl von Gefangen- und Überwachtsein, aber eben auch der Wahlmöglichkeit, die Innen- oder Außenansicht zu nehmen. "Ich liebe Überraschungen", sagt der Künstler.

Eröffnung: Morgen um 19.30 Uhr im MMIII und am Sonntag um 11.30 Uhr in der Villa V. Öffnungszeiten: bis 4. September, samstags 17 bis 20 Uhr (außer am 6. August in der Villa V) und sonntags von 11 bis 14 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung (Klaus Schmitt: 0173 9114494).

Quelle: RP
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