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Mönchengladbach
Kunst in allen Richtungen

Mönchengladbach: Kunst in allen Richtungen
Mit dabei: Ellen Katterbach. Sie erschafft in ihrem Atelierhaus an der Steinmetzstraße völlig neue Welten, indem sie den Verfallsprozess von Dias beobachtet und schließlich auf Fotopapier druckt. FOTO: Raupold, Isabella
Mönchengladbach. Rund 50 Künstler öffneten am Wochenende beim 14. Parc/ours ihre Ateliers für Besucher. Sie gewährten Einblicke in Schaffensprozesse, diskutierten mit den Gästen, versorgten sie mit Häppchen. Wer nicht alleine von Station zu Station pilgern wollte, schloss sich einer geführten Gruppe an. Von Nadine Fischer

Fasziniert und etwas ratlos stand Günter Rinkens vor dem großen Triptychon in Ellen Katterbachs Atelier. Er sah sattes Grün, leuchtendes Türkis, dazu Pink und cremiges Weiß, alles zusammen ergab das Abbild einer Blume. "Wie bekommen Sie die Farben so hin?", fragte der 52-Jährige die Künstlerin. "Legen Sie die Negative in den Backofen?".

Ellen Katterbach schüttelte den Kopf. "Das hat die Natur für mich gemacht", antwortete sie dann und ergänzte: "Dahinter steht ein langer Alterungsprozess". Ellen Katterbach sammelt Dias und Negative, beobachtet ihren Verfallprozess, lässt sie auf Fotopapier drucken und erschafft so völlig neue Bildwelten. Sie arbeite auf malerische Art mit analoger Fotografie, erklärte sie.

Günter Rinkens findet das spannend. "Fotografie reizt mich", sagte der Gelderner, der am Wochenende ein paar Stationen des 14. Parc/ours besuchte – dazu zählte eben auch Ellen Katterbachs Atelier an der Steinmetzstraße 31. Insgesamt 50 Künstler zeigten Interessierten ihren Arbeitsplatz und verwandelten die Stadt so in eine große Galerie.

"Der Parc/ours bietet eine gute Gelegenheit, sich auf einen Schlag eine breite Palette an Kunst anzusehen", sagte Günter Rinkens. Als erstes hatte er sich in Gregor Strunks Atelier an der Rheydter Straße umgesehen – der Künstler präsentierte Zeichnungen und Gemälde, die er in den vergangenen 20 Jahren geschaffen hat. Von dort aus fuhr Rinkens zum Atelierhaus an der Steinmetzstraße, in dem sechs Künstler und Künstlerinnen ihre Türen geöffnet hatten.

Gleich im Erdgeschoss bei Ellen Katterbach kaufte er ein Bild, dann schlenderte er an den Ölgemälden Peter von Malotkis entlang und stiegt die Treppe zu den oberen Etagen hoch. Ulle Krass etwa zeigte dort Bilder aus Staub und Skulpturen aus Pusteblumen.

Angel Richter stellte neue Gemälde aus, in denen sie Gegenständlichkeit und Abstraktion verbindet, Brigitte Zarm präsentierte gemalte schwarze Vogelsilhouetten. Für ihre Besucher hatten die Künstler in ihren Ateliers Häppchen bereitgestellt: Kekse, Käse, Gürkchen, Trauben, Brot, dazu Wein oder Kaffee.

Auch Marcel Schultheiß kann sich gut vorstellen, irgendwann mal ein eigenes Atelier zu haben – so wie die erfahrenen Kreativen an der Steinmetzstraße. "Aber nur hobbymäßig", sagt der 19-Jährige. Er ist Schüler der privaten Kunstakademie Mönchengladbach an der Schlossstraße, die am Wochenende zum ersten Mal einer der Gastgeber beim Parc/ours war. Marcel Schultheiß nimmt dort seit zehn Jahren Unterricht, einige seiner Arbeiten waren schon in verschiedenen Gruppenausstellungen zu sehen, er hat ein Plakat für den Hückelhovener Werbekreis entworfen.

Heute beginnt sein Studium an der Fachhochschule Aachen, Fachrichtung Produktdesign. Wenn er malt, "dann eher gegenständlich und impressionistisch", erzählte er. Vor allem Landschaftsbilder zeigte Schultheiß beim Parc/ours. Einige seiner Mitschüler stellten Skulpturen zum Thema "Leidenschaft" aus – wie Rena Thiel. Die Mode- und Werbegrafikerin hatte eine innen hohle Frauenfigur aus Pappmaché gebaut, die an einer Kordel an der Decke hing. Besucher konnten sich die Figur überstülpen lassen, sich in sie einfühlen. Rena Thiel machte dann davon ein Foto.

Neben dem Atelierhaus und der Kunstakademie gehörten unter anderem der Biohof Brungs, Schloss Rheydt, das Menge-Haus und das Museum Abteiberg zu den Ausstellungsorten. Mit Bus oder Rad konnten Besucher als geführte Gruppe mehrere Stationen hintereinander abklappern. Dabei lagen dann nicht nur die großen "Kunstpunkte" auf der Route, sondern auch kleinere.

Wie das Atelier von Andrea Falkenroth, oder besser gesagt: ihr Haus in Bettrath. Die Künstlerin leitete ihre Gäste durch den Flur und das Wohnzimmer, hoch auf die erste Etage bis ins Arbeitszimmer. An den Wänden hingen ihre farbenfrohen Bilder – mal mit streng geometrischen Motiven, mal völlig frei. "Ich mache beim Parc/ours mit, um mich der Öffentlichkeit zu zeigen", erzählte sie. Schließlich wolle ihre Kunst ja auch gesehen werden.

Quelle: RP
 
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