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Mönchengladbach
Kunst und Köstliches für Auge und Gaumen

Mönchengladbach. In Haus und Garten des Palace St. George am Konrad-Zuse-Ring im Nordpark geben die Künstler Jörg Eberhard und Jürgen Zaun Gourmet-Freunden ein ganzes Jahr Zeit für die Reflexion ihrer Kunst. Von Angela Wilms-Adrians

Was schwer ist, liegt normalerweise unten, doch Zauns Plastiken widersprechen ihrer schlanken Formgebung zum Trotz dieser Erwartungshaltung mit aller Entschiedenheit. In der Kombination von gefundenen Steinen und denen sie haltenden Metallkonstruktionen spielt der Künstler mit Seh- und Denkgewohnheiten. Denn die Steine scheinen im filigranen Gebilde der schlanken Streben beinahe zu schweben. Tatsächlich schwingen einige sogar bei jedem Lufthauch sanft im Wind.

So verschieden Zauns Arbeiten von denen des Mitausstellers sein mögen, so teilt dieser mit ihm die gezielt eingesetzte Irritation. Eberhard stellt den Betrachter über seine Bilder mit räumlichen Verschachtelungen und Perspektivveränderungen auf die Probe.

Kuratiert haben die Ausstellung Bernd Meyer und der kunstsinnige Küchenchef Wolfgang Eickes. Die freuen sich über zwei interessante Künstler, während Eberhard die Dauer der Ausstellung an einem solchen Ort sehr reizvoll findet. "Das Bild ist ein Angebot und hier nicht das vorrangige Ziel der Gäste. Wenn sie zwei- bis viermal im Jahr kommen, werden sie jedes Mal aus dem Augenwinkel etwas anderes entdecken", begründet der Dozent für experimentelle Gestaltung an der Universität Duisburg und Essen seine Ansicht. Dem 59-jährigen ist es wichtig, dass die Besucher auf ein Signal der Arbeiten regieren und diese dann wie eine Zwiebel Schicht um Schicht entdecken.

Mehrfach thematisiert er platonische Körper, oftmals im Zusammenhang mit Zahlen. "Ich bin an Ordnungen unterschiedlichster Art interessiert", sagt der Künstler über den malerischen Umgang mit regelmäßigen Vielecken. Dabei bevorzuge er das "Ping-Pong-Spiel von Ordnung und Freiheit", von aufbauender und zerfallender Ordnung. Dieses Wechselspiel ergibt sich über Perspektivveränderungen und überraschende Schattenwürfe. Neben den platonischen Körpern greift der Künstler häufig das Motiv der leeren Kommode in Verbindung mit Verweisen auf vertraute Gegenstände und die damit verbundenen Assoziationen auf. Bei ihm gewinnt das Möbelstück erstaunliche Sogkraft und ist zugleich irgendwie geheimnisvoll verrätselt in der Verschachtelung des umgebenden Bildraumes. Kurator Meyer nennt Eberhard einen "Geschichtenerzähler", der mit Symbolen im Gedächtnis Schubladen öffne. So fühlt sich der Betrachter an Situationen erinnert, obwohl er keine menschliche Figur, sondern stattdessen stellvertretene Motive sieht.

Zaun hingegen thematisiert in der Steinbildhauerei den Menschen selbst - ganz reduziert, häufig in der Gegenüberstellung von rauen und glatten Oberflächen. Diese so charakterisierten Figuren aus Diabas, Granit und Kalkstein sind aus dem Block herausgearbeitet und spiegeln in unterschiedlichen Graden den Prozess des Freilegens.

Quelle: RP
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