| 16.01 Uhr

Mönchengladbach
L 19: Eine Halle steht im Weg

Mönchengladbach. Hat die Entwicklungsgesellschaft ein Grundstück verkauft, um eine Trasse für die L 19 zu verhindern? Die Stadttochter weist den Vorwurf zurück. Doch der Landesbetrieb Straßenbau sagt: "Die EWMG kannte die Planung." Von Dieter Weber

Zwischen Giesenkirchen und Schelsen sollte die vorgesehene L 19-neu führen. Diese Route hatten Planer beim Vergleich von vier Trassenvarianten zum Favoriten gekürt. Selbst der Bau eines 75 Meter langen Tunnels schreckte nicht. Jetzt macht der Landesbetrieb Straßenbau, der die Umgehung für Giesenkirchen und Odenkirchen entwickelt, einen Rückzieher. Nicht die von ihm gewünschte Variante 4, sondern die Variante 2 soll es sein. Die führt östlich um Schelsen herum. Pikant: Die Variante 4 scheitert, weil die Stadttochter Entwicklungsgesellschaft (EWMG) ein Grundstück auf der Trasse an einen Unternehmer verkauft hat, der inzwischen eine Lagerhalle für Verpackungen errichtet hat. Wenn das Land ihn entschädigen müsste, triebe dies die Kosten erheblich in die Höhe. "Ich will nicht spekulieren. Aber die EWMG kannte unsere Planung", sagt Wilhelm Höfener, stellvertretender Leiter der Gladbacher Niederlassung des Landesbetriebs. Hat die Stadt bewusst Einfluss auf die Planung für eine Straße genommen, um sie zu verhindern?

Mit offenen Karten

Das Schwarze-Peter-Spiel ist im Gange. "Das ist ein willkommener Vorwand für den Landesbetrieb, sich von der Trassenvariante verabschieden zu können", sagt EWMG-Geschäftsführer Dr. Ulrich Schückhaus. Die Stadttochter habe mit offenen Karten gespielt und alle Seiten informiert. "Wir haben dem Landesbetrieb den Bebauungsplan geschickt. Die Behörde hatte keine Bedenken und hat ihn abgesegnet. Sie hatte sogar Zeit, sich mit dem Unternehmer zu einigen, bevor er mit dem Bau begonnen hatte", sagt Schückhaus. Im Notarvertrag sei vermerkt worden, dass das Grundstück auf der favorisierten Trasse liege. Selbst die Politik habe Bescheid gewusst. Schückhaus: "Uns ist kein Vorwurf zu machen."

Der Landesbetrieb hat jetzt ein Problem: Denn die zweispurige Variante 2 ist mit 10,4 Kilometern die längste und damit teuerste. Die Gemeinde Jüchen hat bereits gegen diesen Trassenvorschlag protestiert, Mönchengladbach wird vermutlich bald folgen. "Diese Route ist äußerst umstritten, denn hier haben wir die wertvollsten Böden im ganzen Bundesgebiet. Und sie berührt Gebiete, die für die Trinkwassergewinnung wichtig ist", sagt Barbara Weinthal, städtische Abteilungsleiterin für Umweltschutz. Es ist daher damit zu rechnen, dass Landwirte und Umweltschützer gegen diesen Verlauf Sturm laufen. Die Stadt ist auf den Landesbetrieb derzeit ohnehin nicht gut zu sprechen, weil sie von der Varianten-Änderung nur per E-Mail erfuhr – so Weinthal. Und ihren Versuch, dazu eine Stellungnahme abzugeben, lehnten die L-19-Planer ab. Immerhin: Gestern gab der Landesbetrieb sein Okay, damit die Stadt das Verkehrsgutachten an die Fraktionen des Rates weitergeben kann. Selbst wollte sie dazu nicht Stellung nehmen. Höfener: "Vor Wahlkämpfen halten wir uns zurück."

Quelle: RP
 
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