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Mensch Gladbach
Lassen Sie uns über Geld reden!

Mensch Gladbach: Lassen Sie uns über Geld reden!
FOTO: Pixabay
Mönchengladbach. Die CDU hat das Casting für den Nachfolger des Liberalen Bernd Kuckels beendet. Favorit ist ein Verwaltungsmann aus dem OB-Büro. Seine wichtigste Aufgabe: das Geld zusammenzuhalten - gegen Traumfliegerei der Politik. Von Denisa Richter

Ist sie nicht schön die vorweihnachtliche Zeit? Je näher das Fest der Liebe rückt, desto wärmer wird's einem ums Herz. Man gönnt sich gern was und seinen Lieben und auch den Armen in der Welt. Das Geld sitzt lockerer - was auch den Einzelhandel freut. Der hat es ja auch nicht ganz leicht mit der Konkurrenz aus dem Internet. Deshalb lieben wir samstags die entspannte Einkaufstour - zum Beispiel auf den Markt in Rheydt, in dessen Umgebung es nicht nur Leerstand, sondern auch überraschend viele inhabergeführte Geschäfte gibt. Oder in Gladbachs Innenstadt - Shoppen, Weihnachtsmarkt, Museum Abteiberg.

Doch lassen Sie uns über Geld reden. Fest steht: Davon genug zu haben, macht das Leben leichter. Der russische Schriftsteller Dostojewski nannte es "geprägte Freiheit". Da ist was Wahres dran. Untrennbar damit verbunden ist aber die Disziplin, das Geld im entscheidenden Augenblick zusammenzuhalten.

In Rathäusern übernimmt diese Rolle der Kämmerer. Er macht sich damit nicht beliebt, hat aber eine starke Position. Denn der städtische Haushalt steckt für Außenstehende voller Geheimnisse. Zwar wird das kommunale Agieren in kühlen Zahlen ausgedrückt, jede Ausgabe, jede Einnahme schlägt sich als Produkt samt zugehöriger Nummer im Haushaltsplan nieder. Doch das Ganze ist komplex und bietet einiges an Spielraum. Ein kluger Kämmerer hält deshalb die Balance zwischen sparsamer Haushaltsführung und den Begehrlichkeiten der Politiker. Die wollen nämlich - je näher die nächste Wahl rückt, desto mehr - Wähler mit Wohltaten umgarnen. Was zwar nachvollziehbar ist, aber leider schlecht für den städtischen Haushalt. Dass Mönchengladbach bis heute noch tief in den Miesen steckt, hat auch damit viel zu tun.

Zumindest ist die Vitusstadt auf einem soliden Weg: Kämmerer Bernd Kuckels (FDP) hat vor wenigen Wochen einen Haushalt vorlegen können, der erstmals seit 25 Jahren kein Defizit, sondern sogar einen ansehnlichen Überschuss ausweist. Am Mittwoch wird der Stadtrat darüber entscheiden. Das positive Ergebnis ist auf etliche Millionen aus dem Stärkungspakt zurückzuführen, auf die munter sprudelnde Gewerbesteuer, die derzeit bundesweit in Rathäusern für gute Stimmung sorgt, aber eben auch darauf, dass Kuckels widerstanden hat, wenn die Politik zu viel wollte.

In drei Monaten muss der Liberale gehen, weil die CDU den Posten besetzen will. Das Casting für den Nachfolger ist gerade beendet. Favorit ist Michael Heck, parteilos, im Büro des Oberbürgermeisters zuständig für Haushaltssicherungskonzept und Stärkungspakt. Hecks Expertise in Sachen Geld ist unbestritten. Was ihm in der Vita fehlt, ist die Erfahrung in einer solchen Spitzenposition. Man darf also gespannt sein, wie stark er als Kämmerer eigene Akzente setzt und im Ernstfall die Geldschatulle verschlossen lässt.

Denn die Herausforderungen sind beachtlich: Die derzeit hohen Einnahmen könnten für Mönchengladbach zum Bumerang werden. Wer steuerstark ist, gefährdet die Rolle des Geldnehmers im Stärkungspakt - und damit geriete die gesamte Haushaltsplanung der nächsten Jahre ins Wanken. Gefahr droht auch aus der anderen Richtung: Kühlt die Konjunktur ab, fehlt Geld in der Kasse. Und: 2020 sind Kommunalwahlen, da werden Wahlgeschenke verteilt.

Wobei wir wieder bei Weihnachten wären. Und beim Wünschen. Dem neuen Kämmerer wünschen wir Widerstandskraft - und Ihnen, liebe Leser, viel Spaß beim Ausgeben der "geprägten Freiheit"!

 
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