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Mönchengladbach
Lax Legere: Ein Abend für Oscar Wilde

Mönchengladbach: Lax Legere: Ein Abend für Oscar Wilde
Groß geht nicht in dem kleinen Café. Aber schön: Das bewies die Lesung von Marion und Markus von Hagen. FOTO: KN
Mönchengladbach. Zum einjährigen Bestehen des Cafés an der Wallstraße gab es eine Lesung über den Dichter und Dandy. Der Ire ist für Inhaberin Daniela Pierzchala eine Art Pate, und der besondere Stil des Autors hätte zu dem des Cafés gepasst. Von Christian Lingen

Es ist eine Mischung aus Omas Küche, Wiener Caféhaus und Museum mit vielen Dingen zum Stöbern: das Lax Legere an der Wallstraße. Vor einem antiken Schrank mit alten Töpfen und Kännchen stehen Marion und Markus von Hagen und sprechen über das Leben von Oscar Wilde. Er ist so etwas wie der Pate des kleinen Cafés, das mit der Lesung seinen ersten Geburtstag feiert. Inhaberin Daniela Pierzchala mag seine Texte, und so war es kein Wunder, dass ausgerechnet er das Thema des Abends war. "Wir bieten hier eine Mischung aus Café und Kultur im Kleinen an", sagt Pierzchala. Groß geht nämlich nicht in dem kleinen Café. Obwohl das Wetter eigentlich alles unmöglich macht, was drinnen und mit vielen Menschen stattfindet, war das Café bis auf den letzten Platz gefüllt.

Marion und Markus von Hagen sind echte Experten und wirken wie Buchhändler, die jeden Text zu kennen scheinen. Dabei haben sie gar keinen eigenen Laden. Sie stammen aus der Kleinkunstszene in Münster und veranstalten regelmäßig Lesungen. Ihre Rollen haben sie klar verteilt: Marion von Hagen stellt Oscar Wildes Biografie vor und Markus von Hagen liest Passagen seiner bekanntesten Texte vor. So erfahren die Besucher der Geburtstagsfeier, dass Oscar Wilde auch noch die Vornamen Fingal O´Flahertie Wills trug, die allesamt auf irische Freiheitskämpfer zurückzuführen sind. Manche Sentenzen, Sinnsprüche, die für sich stehen, klingen, als habe man sie schon einmal irgendwo gehört. "Bei Wilde wird man schnell fündig, wenn man nach kurzen Sprüchen sucht", erklärt Marion von Hagen.

Wilde war ein Lebemann seiner Zeit und nicht zuletzt deshalb als Dandy bekannt. Sein Stil passt zu dem des Lax Legere. Es ist zwanglos und ein Ort, sich zu entspannen. Auch der Anspruch des Cafés stimmt mit dem Oscar Wildes überein. "Ich habe einen ganz einfachen Geschmack: Ich bin immer nur mit dem besten zufrieden", sagte Wilde einmal. Mit einem so hohen Anspruch an sich selber geht auch Daniela Pierzchala an ihr Café heran und sorgt so dafür, dass sich die Besucher des Cafés wohlfühlen. So vielseitig wie das Café war auch Oscar Wilde. Er schrieb die verschiedensten Arten von Texte und war ebenso gesellschaftskritisch wie ironisch bis sarkastisch. So sagte er über die Kirche: "Immer wenn die Neger nichts zu essen haben, schickt die Kirche einen fetten Missionar."

Bekannt war Oscar Wilde auch als Skandalautor. Doch auch sein Leben war von einem riesigen Skandal geprägt. So wurde er wegen Homosexualität zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt und verlor sein Vermögen. Seinen Tod fand er in Paris. Völlig frei von Skandalen ist das Lax Legere. Und deshalb werden die Kleinkunstabende weitergehen. Unter anderem mit Marion und Markus von Hagen. Und mit Oscar Wilde, dessen Bildnis an einer Wand des Lax Legere hängt.

Quelle: RP
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