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Mönchengladbach
Leben im 300 Jahre alten Fachwerkhaus

Mönchengladbach: Leben im 300 Jahre alten Fachwerkhaus
Auch im Inneren hat Romy Heyne das Haus liebevoll eingerichtet. Aber fertig, sagt sie, wird man nie. FOTO: Raupold Isabella
Mönchengladbach. Uhrmacherin Romy Heyne wohnt und arbeitet seit 24 Jahren in einem historischen Gebäude in Hardt. Tauschen würde sie nie. Von Lena Köhnlein und Lisa Tellers

Es ist zwölf Uhr, plötzlich fangen ein Dutzend Uhren an zu schlagen. "Das sind die Stücke, die ich derzeit repariere", sagt Romy Heyne, die sich auf die Wartung alter Uhren spezialisiert hat. Seit 30 Jahren arbeitet sie als Uhrmacherin. Sie hat sich selbstständig gemacht, ihr Arbeitsort: ein zirka 300 Jahre altes Fachwerkhaus, das gleichzeitig auch ihr Zuhause ist.

Das Haus hat sie in liebevoller Kleinarbeit restauriert und mit alten Möbelstücken, altem Spielzeug und - wie sollte es als Uhrmacherin anders sein - historischen Uhren bestückt. 24 Jahre lebt die gebürtige Leipzigerin nun schon in dem alten Gemäuer. Die Restaurierung war sehr aufwendig. "Es war eine Ruine", erzählt sie und unterstützt ihre Worte mit einem Bilderalbum aus vergangenen Zeiten: Eine Scheune in der eine Wand fehlt, ein verwahrloster Dachboden und ein karger Garten dienen als Beweisstücke. Das Haus musste kernsaniert werden. Viel wurde um- und angebaut.

Heute ist von diesem Zustand nichts mehr zu sehen. Auf dem Dachboden stehen alte Sessel, eine Sitzecke mit Holztischen und jede Menge historisches Spielzeug, wie etwa ein alter Puppenwagen. Der Computer wirkt in den alten Räumen fast wie ein Fremdkörper, wohingegen sich der alte Röhrenfernseher wieder gut in das Gesamtbild einfügt. "Den würde ich auch nie gegen einen Flachbildfernseher eintauschen - so lange er noch geht", sagt Heyne.

Auf das Ergebnis kann sie stolz sein. "Es haben schon dreimal fremde Leute an meiner Tür geklingelt und gefragt, ob ich das Haus verkaufen möchte", sagt sie und lacht. "Aber für mich ist es einfach unbezahlbar." Zu jedem Zimmer und Möbelstück weiß sie eine Geschichte. "Mein kleines Gästezimmer hat früher der Schriftsteller, der hier lebte, vermietet - für 1,70 Mark", sagt sie. Und auch der Blick auf einen schwarzen Balken mitten im Wohnzimmer, erinnert an einen Blindgänger, der im Krieg in das Dach einschlug.

Das besondere an einem Leben im Fachwerkhaus ist für Heyne die Konstruktion der Zwischenräume, (Gefach) die mit einem Lehm verputzten Holzgeflecht verkleidet sind. "Dadurch herrscht ein ganz anderes Klima im Haus", sagt sie. Es sei zwar nicht immer so warm, wie in modernen Häusern, "aber dafür war ich, seit ich hier lebe, auch noch nie krank".

Das läge wohl aber auch daran, dass sie einfach sehr zufrieden sei, mit dem, was sie tut. Seit mehr als 30 Jahren kümmert sie sich um mechanische Uhren und mechanisches Spielzeug. Aus Deutschland und Österreich, aber teilweise auch aus Frankreich, wo Bekannte leben, bekommt sie Aufträge. Am meisten freut sie sich über diejenigen, die besonders antik sind. Einmal hätte sie zum Beispiel eine Uhr aus dem Jahr 1730 restauriert.

Um die wertvollen Stücke der Vergangenheit zu restaurieren, muss man sehr konzentriert arbeiten. Aber bislang hätte sie alle Uhren noch reparieren können - wenn es denn sinnvoll sei, denn manchmal wäre das teurer als die Uhr noch wert ist. Ihren Tag plant die Selbstständige gut durch. Meistens steht sie um sechs Uhr auf und plant dann ihren Tagesablauf. "Wenn ich eine Uhr pro Tag schaffe, kann ich zufrieden sein, aber manche Stücke dauern auch länger", sagt sie. Das gefährliche an so einem alten Haus sei natürlich auch die Ablenkung. "Im Garten oder im Haus gibt es immer was zu tun." Denn fertig, sagt die Sammelliebhaberin, sei man in so einem Haus nie.

Quelle: RP
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