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Serie Was Macht Eigentlich
Lecker, knackig, einfach prima

Serie Was Macht Eigentlich: Lecker, knackig, einfach prima
Will Meuters erster Verkaufsstand, hier bei der Eröffnung der Viersener Fußgängerzone 1973. FOTO: Arthur Haardt
Mönchengladbach. Willi Meuter hat geschuftet, Mut nicht nur als Boxer bewiesen. Seine Rostbratwurst wird selbst in New York geschätzt. Von O. E. Schütz

Es ist kein Urteil von Gourmet-Testern. Aber eines von Leuten, die wissen, was auf Kirmessen, Volksfesten, bei Fußballspielen oder jetzt wieder auf Weihnachtsmärkten sehr gefragt ist: eine Bratwurst. "Lecker, knackig, einfach prima!" lautete das Urteil einer Jury, die auf der großen Düsseldorfer Kirmes die beste Thüringer Rostbratwurst kürte - unter sieben Ständen, die den besten Ruf hatten. Der Sieger kam aus Mönchengladbach, einstimmig gewählt: "Thüringer Wurstwaren Willi Meuter.

Willi Meuter, gelernter Metzger und in seiner Jugendzeit Amateurboxer, steht mit seinen 78 Jahren nicht mehr selbst im Wagen am Grill. Doch er hat das Geschäft drei Jahrzehnte, bis 2002, betrieben und dann seiner Tochter Elke übergeben, die es seither führt. Ganz so, wie es der Vater gemacht hat: nur mit zwei Sorten Würstchen, Thüringer Rostbratwurst, dazu seit etlichen Jahren Krakauer, und ein auf dem Grill geröstetes Röggelchen. "Schon optisch picobello", urteilte Dirk Fröhlich, Chef eines Düsseldorfer Partyservice und Juror, beim Test.

Willi Meuter selbst ist der eher rustikale Typ. Den Boxer, der er in seiner Jugendzeit war, sieht man ihm an. Als Junge, der am Alten Markt und vor allem in Untereicken aufgewachsen ist, ging er auf dem Pausenhof keiner Prügelei aus dem Weg - "bis ich eines Tages vor Gericht landete. "Dort hat der Richter mir geraten, meine Kraft woanders auszuleben - im Boxring. Das habe ich dann getan." Ein Berufsschullehrer schickte ihn dann zum Verein "Faustkämpfer Mönchengladbach".

Große Titel hat Willi Meuter als Amateur im Halbschwergewicht nicht geholt. Aber immerhin war er stark genug, zwei Jahre allwöchentlich den Sparringspartner des Kölner Originals Peter Müller zu spielen: "Für 100 Mark am Tag, für einen Amateurkampf gab es höchstens mal 40 Mark." Müller, wegen seiner gebückten Kampfhaltung und des fröhlichen Aussehens allgemein "dä Aap" oder "Müllers Aap" genannt, erntete seine größten Schlagzeilen, als er 1952 bei einem Kampf um die deutsche Mittelgewichts-Weltmeisterschaft nicht seinen Gegner Hans Stretz, sondern Ringrichter May Pippow zu Boden schlug ("Der hatte mich Zigeuner genannt") und dann noch auf die vier Sekundanten sowie seinen Manager und Schwiegervater Jupp Thelen, die eingreifen wollten, einschlug. Willi Meuter jedenfalls spielte für 100 Mark pro Tag zwei Jahre Müllers Sparringspartner: "Ich musste viel einstecken, habe ihn aber auch einige Male auf die Bretter geschickt."

Zupacken hat Willi Meuter früh gelernt: Mit fünf, sechs Jahren half er schon in der Bäckerei seines Vaters an der Ecke Marktstieg/Kapuzinerstraße. Als das Haus bei einem Bombenangriff niederbrannte und sein Vater mit nur einem Bein aus dem Krieg heimkehrte, ernährte sich die Familie vor allem von dem Obst und Gemüse aus ihrem großen Garten an der Viersener Straße in der Nähe des Friedhofs. Die vier Kinder mussten tüchtig helfen beim Ernten und Transport auf den Alten Markt, wo sie den Stand mit aufbauten, bevor sie mit der Straßenbahn nach Untereicken zur Schule fuhren. "Die Hausaufgaben habe ich abends im Licht einer Petroleumlampe oder morgens auf dem Schulhof gemacht", erzählt Willi Meuter.

Statt eine Bäckerlehre begann er 1954 eine Ausbildung zum Metzger. Und als die Eltern begannen, mit einem Kirmeswagen auf die Jahrmärkte zu fahren, um Wurst zu verkaufen, war die Richtung für Willi klar: Gastronomie. Willis Frau Ursula, eine gelernte Näherin, stieg bald mit ein. Zuerst führten die Meuters von 1969 bis 1972 in Helenabrunn-Heimer die Gaststätte Junkershütte, dann wurde ein Kirmeswagen angeschafft: "Der kostete 30.000 Mark, aber wir brauchten ihn eben, Kredit gab es für uns nicht. Also musste ich Wechsel unterschreiben", erzählt Willi Meuter. Er verdiente Geld dazu, indem er Fleischtransporte entlud und Rinderhälften in Kühlhäuser schleppte. "Ich habe 100 Stunden die Woche gearbeitet."

Doch der Mut hat sich dank des Zupackens und Fleißes ("Oft genug war es zwölf, dreizehn Stunden am Tag") gelohnt. Bald standen zwei, dann drei Wagen auf dem Hof bzw. den Märkten und Plätzen der Region, bis hin zum "Centro" in Oberhausen.

Quelle: RP
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