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Mönchengladbach
Leinen los zur Kaperfahrt mit den Nordmännern von Santiano

Mönchengladbach. Im nicht ganz ausverkauften Sparkassenpark spielte Santiano eine begeisternde Mischung aus Rock und Seemannsliedern. Von Christian Lingen

Ein großes schwarzes Segel verdeckt die Bühne des Sparkassenparks. Dazu weht eine leichte Brise. Da ertönt plötzlich ein Schiffshorn. Meeresrauschen setzt ein und Möwen schreien. Das Horn stößt zwei weitere tiefe Klänge aus. Sie gehen durch Mark und Bein. Eine Stimme aus dem Off erzählt die Geschichte der Santiano, einem uralten Schiff, das durch die rauhe See schippert und von fünf furchtlosen Nordmännern manövriert wird. Der Sturm nimmt zu, das Segel bläht sich auf und ein Blitz schlägt mit lautem Krachen ein. Das Segel fällt, das Publikum springt auf und das Konzert im Sparkassenpark beginnt.

Auf der Bühne stehen fünf Herren in schwarzer Kluft und mit tiefen Stimmen. Das Image der furchtlosen Nordmänner erfüllen sie vollkommen. "Gott muss ein Seemann sein" singen sie und das Schiff legt ab zur großen Kaperfahrt. Eine Mischung aus Rock und Shanty - einer speziellen Form von Seemannsliedgut ist es - , die die Musik von Santiano auszeichnet. Hier treffen Bass und E-Gitarre auf Geige und Akkordeon. Das Schiff nimmt Fahrt auf. Die Gicht peitscht über das Publikum hinweg. "Wir bewegen uns hinaus auf die offene See mit knarzenden Planken und das letzte, was wir hören, sind die Schreie der Möwen", begrüßt Frontmann Björn Both die Matrosen.

Obwohl der Sparkassenpark an diesem Abend nicht ganz ausverkauft ist, geht es volle Fahrt voraus. Eingestreute Passagen auf Plattdeutsch aus Schleswig-Holstein machen das nautische Erlebnis authentisch. Die Santianos singen "Frei wie der Wind" und der weht sachte über dem Publikum. Das Schiff ist auf Kurs. Doch das reicht nicht. Mit "Blow Boys Blow" blasen die Klabautermänner das schwarze Segel auf und das Schiff nimmt volle Fahrt auf, immer weiter hinaus auf die offene See. Als sie davon singen, 500 Meilen weg von zuhause zu sein, ist das Publikum die Hand breit Wasser unter dem Kiel. Freiheit ist der Begriff, der sich wie ein roter Faden durch das Konzert zieht. So ist es kein Wunder, dass Santiano die Umweltschutzorganisation "Sea Shepherd" unterstützt. "Was wir der Erde antun, ist eine Schweinerei", erklärt Björn Both und erntet einen Sturm aus Jubel.

So singen die Nordmänner vom "Garten Eden" und die "Lieder der Freiheit". In den gewaltigen Klängen trifft harter Rock auf die Sanftmütigkeit der Geige. Die Brise über dem Publikum wird frischer. Feuer schießt quer über die Bühne und es knallt wie Schüsse von Kanonen. Kein Zweifel: Das Schiff ist auf Kaperfahrt. Jetzt geben die Santianos alles und manövrieren durch die stürmische See. Am Ende kehren sie vom Rock zum Shanty zurück. Das Schiff hat Schaden gelitten. "Es gibt nur Wasser, Wasser überall, doch wir haben nichts zu trinken", singt die Besatzung und schafft es gemeinsam mit dem Publikum, den sicheren Hafen anzulaufen.

"Danke für diesen fantastischen Landgang", bedankt sich Both beim Publikum, das immer wieder frenetisch mitgemacht, gesungen und geklatscht hat. Mit der Zugabe bricht das Schiff erneut auf zur wilden Fahrt. Dem Horizont entgegen.

Quelle: RP
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