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Mönchengladbach
Lernen mit Therapiehund Luna

Mönchengladbach: Lernen mit Therapiehund Luna
Luna hilft Schülern an der Karl-Barthold-Schule-Förderschule. Die Labrador-Mix-Hündin wirkt beruhigend. FOTO: Jörg Knappe
Mönchengladbach. Ein- bis zweimal in der Woche findet in der Karl-Barthold-Schule Unterricht mit Hund statt. Das Tier wirkt beruhigend auf die Kinder. Die Schüler sind deutlich leiser und machen zudem erstaunliche Entwicklungsfortschritte. Von Angela Rietdorf

Luna hat schon längst bemerkt, dass vor der Klassenzimmertür die Teilnehmer der Hunde-AG warten. Aufmerksam, aber unaufgeregt behält die Hündin die Tür im Blick. Dann stürmt Noah herein. "Luna", jubelt er. "Ich habe mich schon den ganzen Tag auf dich gefreut." Auch die übrigen Teilnehmer der AG kommen dazu: Julius und Tim, Marvin, Christine und noch ein Julius. Bianca ist zum ersten Mal mit dabei. Insgesamt sitzen sieben Schüler im Halbkreis, gemeinsam mit ihrer Lehrerin Angela Lennartz und natürlich Luna, dem Labrador-Mix.

Angela Lennartz ist nicht nur Sonderpädagogin, sondern auch Fachkraft für tiergestütztes Arbeiten. Sie hat Luna ausgebildet, um sie an der Karl-Barthold-Schule einzusetzen, einer Förderschule, die von der Stiftung Hephata getragen und unter anderem von Kindern und Jugendlichen mit geistiger Behinderung besucht wird. Unter den Schülern sind Autisten ebenso wie Kinder mit Down-Syndrom oder ADHS. Luna ist ein ruhiges Tier. Das war Angela Lennartz wichtig. "Die Schüler müssen sich ihre Zuneigung erarbeiten", sagt die Sonderpädagogin. Dennoch dient die Hündin als Eisbrecher: "Selbst bindungsgestörte Kinder können zu einem Tier eine Beziehung aufbauen."

Die Arbeit mit dem Hund ist zweigeteilt. Zum einen ist Luna einfach im Unterricht mit dabei. Schon ihre Anwesenheit wirkt positiv auf die Klasse. "Wenn der Hund dabei ist, ist es deutlich ruhiger in der Klasse", sagt die Lehrerin. "Die Kinder wissen, dass Luna keinen Lärm mag und vermeiden ihn." Alle wollen, dass der Hund sich wohlfühlt. Ist ein Kind mal nicht so gut drauf, setzt oder legt es sich neben Luna. "So kommt es gar nicht erst zu einer Krise", erklärt die Pädagogin.

Das zweite Einsatzgebiet des tierischen Begleiters ist die Hunde-AG. Hier kommen andere Kinder zusammen, und es wird aktiv mit Luna gearbeitet. Zu Beginn dürfen die Kinder der Hündin ein Leckerli geben. Wie sie das tun, bleibt ihnen überlassen. Bianca, die zum ersten Mal dabei ist, hat noch etwas Angst. Sie führt nur die Hand der Lehrerin. Marvin ist mutiger und füttert Luna selbst aus der Hand. Julius schließlich legt sich auf die Erde und schiebt das Leckerli leicht unter seinen Pullover. Luna sucht und findet den Leckerbissen, und Julius strahlt über das ganze Gesicht. "Die Schüler genießen die Berührung", weiß Angela Lennartz, "selbst die, die sich sonst kaum anfassen lassen."

Dann wird für den Hund ein Parcours auf dem Schulhof aufgebaut. Die Schüler führen Luna an der Leine über die Hindernisse oder versuchen, mit ihr durch einen Tunnel zu kriechen. Die Anwesenheit des Hundes wirkt ungeheuer motivierend, auch auf Schüler, die sich im Sportunterricht ungern bewegen.

Das Erstaunliche dabei: Die Schüler warten geduldig, bis sie an der Reihe sind. Es wird nicht gedrängelt oder gestritten. "Die Hunde-AG dauert zweieinhalb Stunden", stellt die Pädagogin fest. "Aber es gab noch nie eine Krise während der Hundezeit." Selbst sehr aggressive Kinder beeinflusst der Hund auf schon beinah wundersame Weise. Die Pädagogin berichtet von einem Schüler, der bereits aus fünf Schulen geflogen war und sechsmal die Wohngruppe hatte wechseln müssen. "Ein sehr auffälliger Schüler", betont sie. Doch Luna schaffte, was kein menschlicher Pädagoge erreicht hat: Der Schüler war auf einmal in der Lage, die Aggressionen zu kontrollieren. "Er wollte bei dem Hund sein", sagt sie. "Und Luna kommt nicht zu jedem, sie muss sich wohlfühlen."

Die Verhaltensänderung hielt bei dem Schüler auch dann an, wenn der Hund nicht in der Nähe war - Luna sei Dank.

Quelle: RP
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