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Mönchengladbach
Liebling mit Mondschein und Swing

Mönchengladbach. Pianist André Parfenov spielte im Rathauskonzert Werke von Bach, Beethoven, Rachmaninow und eigene Kompositionen. Der Ratssaal war voll besetzt. Von Armin Kaumanns

Nicht umsonst ist André Parfenov einer der Lieblinge der Ensemblia. Beim letzten Festival vor zwei Jahren mit dem Sonderpreis für die Geigensonate "Der kleine Prinz" dekoriert, saß der deutsch-russische Pianist diesmal ganz allein am Klavier im Ratssaal der Abtei und entzückte sein großes Publikum erneut.

Der sympathische musikalische Tausendsassa bereitete den aufmerksamen und trotz Bundesliga-Spitzenspiel erfreulich zahlreichen Zuhörern beim Rathauskonzert ein kurzweiliges Stündchen mit Musik von Bach bis Rachmaninow, was bei André Parfenov nicht unbedingt ein Stilbruch sein muss. Denn in seiner Seele ist der 43-Jährige durch und durch Romantiker. Außerdem plaudert er sehr unterhaltsam über das, was er da so alles auf den schwarzen und weißen Tasten macht. Und er komponiert auch noch wunderbar.

Bach-Choräle laden Parfenov zum Schwelgen ein. Sei es nun die eigene Bearbeitung eines Chorals der Johannes-Passion oder Ferruccio Busonis Sicht auf Bachs Choralvorspiel "Nun komm der Heiden Heiland" - jeder Vorhalt, jede glückliche Dur-Wendung wird weidlich ausgekostet. Sergej Rachmaninows berühmtes cis-Moll-Prélude gerät zur ganz großen Oper, virtuos fingerfertig und berauschend. Beethovens "Mondschein-Sonate" erklingt zunächst in klassisch reduziertem Sostenuto, beim Presto agitato reißt es den Musiker aber doch mit den Klangkaskaden hinweg in schwärmerische Gefilde.

Parfenovs eigene Werke spannen den stilistischen Bogen von Ravel bis Gershwin. Im Programm platziert er sie als eine Art persönlichen Kommentar zu den Werken des berühmteren Kollegen. Ein ganz entzückendes Jugend-Stückchen besingt - zu Rachmaninow - den "Morgen", eine Reminiszenz an Bach ergeht sich in virtuosen Klang-Kaskaden, und zum Finale aus Beethovens erster Sinfonie fällt ihm eine beherzt swingende Improvisation über die C-Dur-Tonleiter ein.

Sogar zur Ensemblia hat der Solist ein neues Stück geschrieben, das sehr originell die neun Buchstaben des Festivals in ein musikalisches Thema "umrechnet", das im Walzertakt mit moderat moderner Harmonik zum Mittanzen einlädt. Man durfte begeistert sein über André Parfenovs Virtuosität, sein musikalisches Talent und seinen gewinnenden Charme.

Quelle: RP
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