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Mönchengladbach
Lied-Gut mit vokalen Kostbarkeiten

Mönchengladbach: Lied-Gut mit vokalen Kostbarkeiten
Stellten sich vor dem Konzert dem RP-Fotografen: Julia Danz, Xianghu Alexander Liu, Michael Preiser, Shinyoung Yeo und Agnes Thorsteins (v.l.). FOTO: Jörg Knappe
Mönchengladbach. Das Publikum hörte weitgehend unbekannte Kompositionen für Singstimme und Klavier. Von Heide Oehmen

Auf Initiative des Solorepetitors, Dirigenten und stellvertretenden Chordirektors, Michael Preiser, gibt es seit dieser Spielzeit die vierteilige Liederabendreihe "Lied-Gut", in der meist weniger bekannte Vokalwerke vorgestellt werden. Das letzte Konzert dieser Saison bestritten die vier Mitglieder des Opernstudios, von denen zwei zum Spielzeitende das Gemeinschaftstheater vorzeitig verlassen.

Die Sopranistin Julia Danz wechselt nach nur einem Jahr am Niederrhein als Ensemblemitglied an die Dresdner Staatsoperette. Sie verabschiedete sich mit einer Herkulesaufgabe - den zwölf Liedern op.17 von Karol Szymanowski (1882-1937), des wichtigsten polnischen Komponisten nach Chopin. Den Zyklus von gut einer halben Stunde Länge - auch zum Zuhören äußerst anstrengend - beherrschte die Sängerin bewundernswert souverän, sie gefiel mit glockigem Wohlklang und lichter Höhe. An ruhiger Stimmführung und klarer Diktion wird sie sicher weiter arbeiten.

Shinyoung Yeo wechselt im Sommer zum Opernstudio der Hamburger Staatsoper - ein beachtlicher Schritt. Seinen großvolumigen Bass-Bariton vermochte der junge Sänger so geschickt zu führen, dass die anspruchsvollen "Vier ernsten Gesänge" von Johannes Brahms eine plastische, tonschöne und eindringliche Gestaltung erfuhren.

Nur für einige Tage unterwegs ist der Tenor Xianghu Alexander Liu - er hat es in die Endrunde des renommierten "Belvedere-Wettbewerbs" geschafft - nun hoffen er und seine Fans auf eine gute Bewertung. Mit den für einen hohen Tenor geschriebenen "Drei Sonetten nach Petrarca" von Franz Liszt gab Liu dank seines ganz ausgeglichenen, wunderbar lyrisch timbrierten Tenors mit beachtlicher Höhensicherheit jedenfalls eine ausgezeichnete Visitenkarte ab.

Gesänge ihrer isländischen Heimat und zwei in schwedischer Sprache gesungene Lieder von Jean Sibelius (1865-1957) steuerte mit wohligem, zu großer Klangentfaltung fähigem Mezzo Agnes Thorsteins bei. Höhepunkt ihrer Vorträge war Franz Schuberts "Erlkönig", bei dem sie mit ihrer wandlungsfähigen Stimme das verängstigte Kind, den allzu sorglosen Vater und den verschlagenen, pädophilen Erlkönig faszinierend imitierte.

Der begeisterte Schlussapplaus galt nicht nur den Sängern, sondern auch Michael Preiser, der alle diese komplizierten Vortragsstücke ausgesucht, einstudiert und mit erlesener Abschlagskultur - technisch über alle Zweifel erhaben - begleitet hatte.

Quelle: RP
 
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