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Mönchengladbach
Lionel Richie-Konzert – eine Klassenfahrt zurück in die 80er

Lionel Richie im Sparkassen-Park Mönchengladbach
Lionel Richie im Sparkassen-Park Mönchengladbach FOTO: Knappe, J�rg
Mönchengladbach. Lionel Richie war am Samstagabend im Sparkassenpark in Mönchengladbach zu Gast. Zahlreiche Fans kamen, um 67-Jährigen zu feiern. Warum er Gladbach lieber Detroit nennen möchte, lesen Sie hier.  Von Nicole Scharfetter

Eine Weile ist es her, als Latzhosen und Dauerwellen und Neonfarben zum ersten Mal in waren, und ja, sie sind wiedergekommen, die krausen Haare und die Jeans mit dem Latz vor der Brust und das Pink und das Grün und das Gelb. Aber an diesem Abend scheint es so, als wären die Menschen nicht irgendeinem neuen Modetrend gefolgt, viele haben gekramt, in alten Kisten, die seit 30 Jahren auf dem Dachboden stehen, dort, wo sie Leggings und Schulterpolster verstaut haben, um sie für genau einen solchen Abend wieder rauszukramen. Wenn sie den Mann sehen wollen, der sie begleitet hat in den 70ern und 80ern - Lionel Richie -, und auch wenn der Mitbegründer der Commodores sie ein bisschen warten lässt, und das Konzert holprig startet, die Menschen im Sparkassen-Park verzeihen es ihm, spätestens beim dritten Song, den Richie anstimmt: "Easy".

Das ist der Moment, in dem wirklich alles einfach wird und sich durch die Wolkendecke ein paar Sonnenstrahlen drücken und der Himmel sich orange färbt und es sich anfühlt, als hätte man all die Zeit der Welt, weil Sonntagmorgen ist und man ewig mit seiner Tasse Kaffe auf der Terrasse  sitzen könnte. Seit Mitte Juni ist Lionel Richie schon auf seiner "All the Hits 2016"-Tour, vor zwei Wochen feierte er seinen 67. Geburtstag. Das Alter merkt man ihm aber nicht an, er ist immer noch dieser große Sänger, der er vor fast 50 Jahren schon war. Mit einem Rotweinglas prostet er der Menge zu, er trinkt auf Mönchengladbach, diese Stadt mit dem schrecklich schweren Namen. "Könnt ihr das nicht einfach Detroit nennen", fragt er. Richie trinkt sein Glas auf Ex, und sicher ist es nur Rhabarbersaft, weil das Rot darin viel zu hell ist.

Die Laune im Sparkassen-Park ist so gut und so ausgelassen, dass sich die Menschen zuprosten und Plastikbecher gefüllt mit Bier an die Sitznachbarn verschenken. Es ist eine Klassenfahrt zurück in die Vergangenheit, in die 70er und 80er, als man zum ersten Mal auf einem Konzert war und getanzt hat und getrunken. Richie spielt die Songs von den Commodores, "Stuck on you" und "Brick House" und "Sail on", und seine eigenen. "Lady, I'm your knight in shining armor and I love you / You have made me what I am and I'm yours" singt er, und jede Frau im Publikum bekommt das Gefühl, das Lied sei nur für sie, Lionel Richie, der Mann mit dem breiten Lächeln, ihr Ritter in schimmernder Rüstung. Kleine Lichter flackern im Publikum auf, viele halten Feuerzeuge hoch, was viel romanischer ist als die Lichter von den Handykameras.

Und gerade als der Abend so richtig beginnt, verabschiedet sich Lionel Richie schon wieder. Natürlich nicht ohne Zugabe, für die er sich "All Night long" aufgehoben hat, und es könnte die ganze Nacht so weitergehen mit Salsa und ChaChaCha und Engtanz.

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