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Mönchengladbach
Mackensen malt Mozart auf Beethoven-Partituren

Mönchengladbach. "Auf Wanderschaft" begibt sich der 1949 geborene Maler Gerd Mackensen aus Sondershausen in Thüringen, Stammgast in der Wallstraßengalerie, mit seiner aktuellen Ausstellung. Er sei gerne hier, sagt er lachend, die Niederrheiner seien seiner Kunst gegenüber so erfreulich aufgeschlossen. Da freut sich Mönchengladbach doch über den Künstler auf Wanderschaft. Von Sigrid Blomen-Radermacher

Eine solche Wanderschaft quer durch Deutschland ist natürlich nicht gemeint mit dem Titel der Ausstellung. Oder vielleicht nur in Ansätzen. Mackensen präsentiert in der offenen Serie der "Wanderschaft" seine "Tagebuchblätter", in denen von täglichen Begegnungen, Gedanken und Beschäftigungen die Rede ist, oder besser gesagt: das Bild und die Zeichnung. Da kann möglicherweise auch die Mönchengladbacher Ausstellung in irgendeiner Form in einem der nächsten Tagebuchblätter auftauchen.

In der Wallstraßengalerie aber geht es um Alltägliches, Landschaftliches, Historisches wie Friedrich, Politisches wie Brandt und Schmidt, Musikalisches wie Mozart, Weibliches. Von den 24 x 30 Zentimetern großen Blättern können eine gute Hand voll am Tage entstehen. Oder auch nur eins. Das hängt von so vielen fast unbekannten Faktoren ab. Angefangen mit den Tagebuchblättern hat es mit einem großen Tableau von doppelt zusammen gehängten Blätter für eine Ausstellung in Erfurt 2014. Seitdem entstehen die Blätter in loser Folge.

Mackensen malt viele der Tagebuchblätter auf bereits bedruckte Seiten. Um beim Begriff der Begegnung zu bleiben: Er malt seine Begegnung in Form einer Begegnung - mit dem vorgegebenen Druck. Das kann ein alter Roman sein, eine Seite aus einem Katalog, ein Notenblatt. Die gemalte Begegnung wird nicht passend gemacht. Da bleibt ein Widerspruch, eine Herausforderung. Vor allem, wenn Mozart auf einer Beethoven-Partitur auftaucht!

Der Reiz des vorhandenen Drucks liegt nicht nur in der nicht vorhandenen Leere, sondern auch in der Vielfältigkeit des Papiers: Es ist hell, dunkel, rau, weich. Dies fordert den Maler zum Spiel heraus, mit Farbe, Form, Fläche, Zeichnung. Es sind immer viele Materialien, die Mackensen einsetzt: Ölfarbe, Bleistift, Farbstift, Kreide, Asphalt, Acryl.

Wie soll man seinen Stil beschreiben? Realistisch, abstrakt, lyrisch, expressiv, sanft, wild, zeichnerisch, malerisch, dynamisch, erzählerisch - mit einem Wort: vielfältig. Schön sind die Titel: "Friedrich wittert Gefahr" heißt es da einmal, eines der Mozart-Blätter ist mit "M. sitzt mal wieder in der Tinte" bezeichnet. Die Ausstellung in der Galerie an der Wallstraße 19 ist bis 8. Juli dienstags bis freitags von 10 bis 18.30 Uhr und samstags von 10 bis 16 Uhr geöffnet.

Quelle: RP
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