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Mönchengladbach
Mandellos in Mönchengladbach

Mönchengladbach. In der Stadt werden überdurchschnittlich viele Mandel-Operationen bei Kindern und Jugendlichen durchgeführt. Von Angela Rietdorf

Eine Mandelentzündung ist nicht nur unangenehm, sondern kann auch ziemlich schmerzhaft sein. Fieber, Halsschmerzen und Schluckbeschwerden sind ihre beschwerlichen Begleiter. Früher wurden die Mandeln bei Kindern und Jugendlichen bei häufigeren Entzündungen recht schnell entfernt. Die ließen das anstandslos geschehen, denn es ging die Mär um, man könne nach der OP so viel Eis essen, wie man wollte. Heute ist man vom raschen operativen Eingriff zunehmend abgerückt und setzt auf konservative, das heißt die Mandeln erhaltende Behandlungen. In Mönchengladbach jedoch wird immer noch überdurchschnittlich viel operiert.

Diesen Hang zur OP belegen einer Studie der Bertelsmann-Stiftung, auf die die DAK hinweist. Im Bundesdurchschnitt wurden bei 43 von 10.000 Kindern und Jugendlichen unter 20 Jahren die Gaumenmandeln entfernt. In Mönchengladbach liegt der Wert bei 61,63 pro 10.000. Damit liegt die Mönchengladbacher Quote um 43 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Das ist viel, aber keineswegs ein Spitzenwert. Den hat Bad Kreuznach mit 107 OPs auf 10.000 Kinder aufzuweisen, gefolgt von Delmenhorst mit 94. Am seltensten werden thüringischen Kreis Sonneberg die Mandeln entfernt, nämlich nur bei 13 von 10.000. Auch Coburg und der Kreis Unterallgäu haben mit 16 beziehungsweise 17 pro 10.000 sehr geringe Werte aufzuweisen. Woher diese gewaltigen regionalen Unterschiede kommen, kann die Studie nicht definitiv sagen. Es können medizinische Gründe sein, aber mögliche wirtschaftliche Interessen der Krankenhäuser seien nicht gänzlich auszuschließen.

Ärzte sind heute prinzipiell deutlich zurückhaltender damit, was Mandel-OPs angeht. Studien belegen aber, dass es gesundheitlich sinnvoll ist, die Mandeln zu erhalten. "Nur wenn häufige Entzündungen oder andere medizinische Gründe vorliegen, wird operiert", sagt Harald Prager von der DAK-Gesundheit in Mönchengladbach. "Wir raten zu einer gewissenhaften Abwägung des Für und Wider einer OP und begrüßen die vorausschauende Betrachtung bei den Medizinern."

Werden Mandelentzündungen durch Streptokokken hervorgerufen, können Herzerkrankungen oder Rheuma gefürchtete Spätfolgen sein. Solche Fälle werden aber heute seltener beobachtet, teilt die DAK-Gesundheit mit.

Detaillierte und unabhängige Informationen sowie Entscheidungshilfen zur Therapie bietet das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen im Internet unter www.gesundheitsinformatione.de.

Quelle: RP
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