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Mönchengladbach
Marcus-Schinkel-Trio erfreute mit "Crazy Elise"

Mönchengladbach. Wer sich an seine Schulzeit erinnert, dem fallen schnell zwei Musikstücke ein. Sie waren immer dann zu hören, wenn man in der Pause an einem Musikraum vorbeikam, in dem zwar schon die Klasse, aber noch nicht der Lehrer eingetroffen war. Man hörte dann erstens den Flohwalzer und zweitens "An Elise". Das erste Stück muss uns hier nicht weiter interessieren. Das zweite, das in Schulpausen allerdings grundsätzlich vor dem schwierigen Mittelteil beendet wurde, stammt immerhin von Beethoven und stimmte als "Crazy Elise" aufs letzte Konzert des Rheydter Musiksommers ein. So, wie es in der Evangelischen Hauptkirche Rheydt erklang, unterschied es sich allerdings deutlich von gewohnten Fassungen. Von Gert Holtmeyer

Marcus Schinkel, der mit seinem Trio aus Bonn in seine Heimatstadt kam, nahm Bausteine der Beethovenschen Elise auf, um damit eine ganz andere, andersartige Musik zu kreieren. "Crossover Beethoven" hieß sein Programm. Zusammen mit Fritz Roppel (Kontrabass und Bassgitarre) und Wim de Vries (Schlagzeug) unterlegte er bekannten Beethoven-Motiven jazzige Rhythmen. Aber nicht nur das. Themen aus der Pathétique oder "Die Wuth über den verlorenen Euro" (original: Groschen) wurden nicht nur mit Synkopen-Rhythmen versehen. Schinkel rief in seiner informativen Moderation Beethovens Leben mit seinen schweren Schicksalsschlägen in Erinnerung, vor allem seine frühe Ertaubung. Die kam nicht mit einem Schlag. Am Anfang standen verzerrte Höreindrücke. Harmonien kamen bei Beethoven als Dissonanzen an, Gleichzeitiges erreichte ihn nacheinander. Und immer wieder störte ein Tinnitus mit bohrendem Dauerton das korrekte Hören. Diese Phänomene setzte Schinkel konsequent in Musik um. Gezielt baute er Dissonanzen ein und erzeugte auf seinem Synthesizer störende Haltetöne.

Mit Schlagzeuger Wim de Vries spielt Schinkel schon seit seinem Studium zwischen 1988 und 1993 am "Conservatorium voor de Kunsten" im niederländischen Arnheim zusammen. "Neu" sei Kontrabassist Fritz Roppel. Der sei "erst" seit 15 Jahren Mitglied des Trios. Beide bewährten sich nicht nur als Mitspieler. Sie begeisterten auch mit ausgiebigen Solobeiträgen.

Mit der Zugabe nach begeistertem Beifall kehrte das Trio wieder zur beliebten Elise zurück. Die hieß eigentlich Brunszvik Teréz oder, eingedeutscht, Gräfin Therese Brunsvik de Korompa und war eine ungarische Adlige. Zum Abschluss des Abends wie auch des diesjährigen Rheydter Musiksommers war eine ganz andere Fassung als zu Beginn zu hören, weder fehlte es an Zärtlichkeit noch an temperamentvollem Drive.

Quelle: RP
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