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Mit Prof. Ullrich Graeven
Medikamente enttarnen Tumore

Mit Prof. Ullrich Graeven: Medikamente enttarnen Tumore
Professor Dr. Ullrich Graeven. FOTO: Maria Hilf.
Mönchengladbach. Nicht rauchen, kein übermäßiger Alkoholgenuss, regelmäßige Untersuchungen: Dies empfiehlt Professor Dr. Ullrich Graeven, Leiter des Onkologischen Zentrums der Kliniken Maria Hilf.

Wer die Presse verfolgt, hat das Gefühl, dass die Anzahl der Krebserkrankungen zugenommen hat. Ist das ein Trugschluss? Oder können Sie das bestätigen?

Prof. Ullrich Graeven Ja, aber das hat im Wesentlichen damit zu tun, dass wir heute älter werden. Mit fortgeschrittenem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung nun einmal. Relativ gesehen nimmt die Anzahl der Erkrankungen und besonders die Anzahl der Todesfälle aber ab.

Woran liegt das?

Graeven Die Früherkennungsuntersuchungen wurden erheblich ausgeweitet und verbessert. Je früher der Krebs erkannt wird, desto besser kann er behandelt werden. Dazu kommen neue Behandlungsmethoden und wirkungsvollere Medikamente.

Welche Medikamente sind das?

Graeven Die Krebsforschung hat ein neues Verständnis dafür entwickelt, wie die Biologie der Tumore funktioniert. Wir verstehen die Mechanismen nun besser. Neue Medikamente bekämpfen nicht nur die Krebszellen, sondern aktivieren das körpereigene Immunsystem. Sie helfen dabei, einen Tumor schnell zu enttarnen, damit er vom eigenen Immunsystem aktiv bekämpft werden kann. Diese Medikamente werden auch bei uns im Onkologischen Zentrum angewendet.

Kann auf eine Chemotherapie künftig verzichtet werden?

Graeven Ob, wie und mit welchen Mitteln eine Chemotherapie durchgeführt wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Das muss für jeden Patienten individuell festgelegt werden. In vielen Fällen werden die neuen Medikamente mit einer Chemotherapie kombiniert. Ehrlicherweise muss man sagen, dass auch die zuvor beschriebenen Medikamente zur Aktivierung des Immunsystems Nebenwirkungen haben.

Viele Krebserkrankte haben Angst vor den Nebenwirkungen einer Chemotherapie. Können Sie die Ängste nehmen?

Graeven Eine Chemotherapie ist immer eine körperliche Belastung, allerdings kann man nicht pauschal sagen, welche Nebenwirkungen sie hat. Das ist von Fall zu Fall verschieden. Hinter jeder Chemotherapie steht ein individuell ausgearbeitetes Konzept. Außerdem reagiert jeder Körper anders. Durch begleitende Maßnahmen können Nebenwirkungen heute zum Teil verhindert oder zumindest gelindert werden.

Kann man vorbeugend etwas tun, um eine Krebserkrankung zu verhindern?

Graeven Eine gesunde Lebensweise ist die beste Möglichkeit, dem Krebs vorzubeugen. Allerdings kann auch sie nicht garantieren, dass man nicht an Krebs erkrankt. Die genetischen Voraussetzungen spielen eine große Rolle. Ratsam sind Früherkennungsuntersuchungen wie das Angebot einer Darmspiegelung zur Erkennung von Darmkrebs ab 55 Jahren oder die Mammographie zur Erkennung von Brustkrebs, die ab dem 50. Lebensjahr alle zwei Jahre durchgeführt werden sollte. Darüber hinaus kann ich nur jedem empfehlen, nicht übermäßig Alkohol zu trinken und schon gar nicht zu rauchen. Tabakkonsum ist verantwortlich für etwa ein Drittel aller Krebs-Neuerkrankungen.

LISA SCHMITZ STELLTE DIE FRAGEN

Quelle: RP
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