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Mönchengladbach
Mehr Bibliothek ohne Anbau möglich

Mönchengladbach: Mehr Bibliothek ohne Anbau möglich
Die Zentralbibliothek an der Blücherstraße wird saniert. Ob sie auch einen Anbau bekommt, wird nach einem Architektenwettbewerb entschieden. FOTO: Hans-Peter Reichartz
Mönchengladbach. Fast 600 Quadratmeter können in der Bücherei anders genutzt werden, wenn die Bibliotheksverwaltung ausgelagert wird. Dies sehen Pläne vor. Ein Anbau wäre dann nicht erforderlich. Außerdem gibt es eine neue Konzeption. Von Dieter Weber

Vor einigen Wochen haben Düsseldorfer Architekturstudenten ihre Pläne vorgestellt, wie sie die Zentralbibliothek an der Blücherstraße vergrößern würden: Mal waren es aufgeschichte Kuben im Bereich des jetzigen Innenhofs. Oder ein großer Bauriegel, der auf das Dach der Bücherei gesetzt wird. Oder ein Ausbau in die Tiefe, wenn ein Untergeschoss vor der Glasfassade des Carl-Brandt-Hauses entsteht.

Doch es ist gar nicht gesagt, dass die Bibliothek überhaupt baulich erweitert wird. Die Verwaltung, hier arbeiten Planung und Kultur eng zusammen, will in diesem Ratszug klären, was unter technischen, finanziellen und denkmalrechtlichen Voraussetzungen alles möglich ist, um den Ansprüchen einer modernen Bibliothek zu entsprechen. Auf dieser Basis soll dann ein Architektenwettbewerb vorbereitet und auf den Weg gebracht werden. Sein Ziel ist eine denkmalgerechte Sanierung und Modernisierung. Und auch eine Erweiterung der Flächen für Besucher ist bereits fest eingeplant, ohne dass ein zusätzlicher Anbau notwendig würde: Die Bibliotheksverwaltung soll die Bücherei verlassen und andernorts in der Nähe untergebracht werden. So könnten 590 Quadratmeter frei werden und anders genutzt werden können.

Seit mehreren Jahren beschäftigt die Zentralbibliothek die Gladbacher Politiker. Die Eheleute Reinhold und Paula Brandts haben das Grundstück an der Blücherstraße 1926 der Stadt M.Gladbach geschenkt und zur Auflage gemacht, dass das Haus zur "würdigen Unterbringung der Stadt-Bibliothek sowie zu Archiv- und Museumszwecken" genutzt werden soll - so steht es im Schenkungsvertrag. 1960 startete die Stadt auf dem Gelände in die Neubau-Planung, Architekt war der städtische Baurat Fridolin Hallauer. Vier Jahre später eröffnete der damalige CDU-Ministerpräsident Franz Meyers die Zentralbibliothek. Dort werden nicht nur Medien verliehen. Im Archivturm lagern auch die Bibliotheken der Franziskaner und des Volksvereins für das Katholische Deutschland. Dank der Schenkung des Sammlers Gernot Blum besitzt die Stadtbibliothek außerdem eine der größten Exlibris-Sammlungen Europas.

Vor einigen Jahren gab es Pläne des Ampel-Bündnisses aus SPD, Grünen und FDP, die Bücherei komplett zur oberen Hindenburgstraße zu verlegen - darüber zerbrach das politische Konstrukt. Und dann war da noch die Idee, die Zentralbücherei im Vitus-Center unterzubringen, das die EWMG gekauft hatte und in dem heute der Bürgerservice ist. Das Center hätte allerdings umfangreich und mit hohen Kosten umgebaut werden müssen. Inzwischen gibt es die klare Absicht aller Verantwortlichen, die Zentralbibliothek am jetzigen Standort zu belassen. Allerdings muss sie dringend saniert werden, weil der Brandschutz mangelhaft ist. Rund 5,5 Millionen Euro stehen dafür im städtischen Haushalt. Auch energetisch ist das Gebäude längst nicht mehr auf einem aktuellen Stand. Die Chance ist aber groß, dass die Bücherei ein Schlüsselprojekt beim Innenstadtkonzept wird: In diesem Fall gibt es viele Millionen Euro Fördergeld. Doch Zuschüsse erhält die Stadt nur dann, wenn die Bücherei eine veränderte Ausrichtung bekommt.

Genau darauf zielt der gemeinsame Vorstoß der Dezernenten Gregor Bonin (Planung) und Gert Fischer (Kultur) ab. Gemeinsam mit Bücherei-Leiterin Brigitte Behrendt wollen sie das Haus Blücherstraße zu einem interkulturellen Treffpunkt im Quartier machen und den Adenauerplatz einbeziehen. Hier sollen nicht mehr nur Medien verliehen werden. Ihre Idee: Es gibt Veranstaltungen, Aktionen und Ausstellungen, eine multimediale Kinderwelt entsteht, junge Menschen sollen hier ihre Freizeit verbringen. Repair-Café, Urban Gardening, ein Ort für Sharing-Initiativen - alles das ist möglich. Der Zeitrahmen ist eng: Ende 2018 sollen Planung und Finanzierung stehen, dann wird zwei Jahre lang umgebaut.

Quelle: RP
 
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