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Mönchengladbach
Mehr Gladbacher beantragen Waffenschein

Mönchengladbach: Mehr Gladbacher beantragen Waffenschein
Seit einigen Monaten verkauft Dietmar Schillberg deutlich mehr Pfefferspray - vor allem an Frauen, die Angst vor Überfällen haben. FOTO: Hans-Peter Reichartz
Mönchengladbach. Seit Anfang des vergangenen Jahres legen sich immer mehr Bürger frei verkäufliche Waffen zu oder beantragen den Kleinen Waffenschein. Der Grund: Die Angst vor Einbrüchen und Raubüberfällen verunsichert viele Gladbacher. Von Marcel Romahn

Oft sind es Ängste, die Kunden in den Laden von Dietmar Schillberg führen - die Angst vor einem Raubüberfall, entweder auf offener Straße oder in den eigenen vier Wänden, die Angst, plötzlich einem Angreifer gegenüberzustehen. Und die Sorge, plötzlich zum Opfer zu werden. Im "Militär & Freizeit Shop" in Rheydt, einem Fachgeschäft für Sicherheitstechnik, beraten Schillberg und sein Bruder seit mehr als 20 Jahren Kunden, die sich im Notfall selbst verteidigen wollen. Seit etwa einem Jahr steigt die Zahl seiner Kunden deutlich. "Die Menschen werden zunehmend unsicherer, teilweise sogar ängstlich", sagt Schillberg.

Die Palette an effektiven Mitteln zur Selbstverteidigung in Schillbergs Geschäft ist groß: Sprühdosen, gefüllt mit Reizgas oder Pfefferspray, oder kleine Alarmgeräte, die den Angreifer mit einem schrillen Signalton erschrecken, sind frei verkäuflich. Kunden, die den sogenannten Kleinen Waffenschein haben, können Schreckschuss- oder Gaspistolen sowie Elektroschocker in dem Geschäft erwerben und diese mit sich führen.

Besonders gefragt sei jedoch seit einigen Monaten das Pfefferspray. "Vor allem Frauen besorgen sich das bei uns häufig für die Handtasche", sagt Schillberg. Viele Kunden lassen sich vorher ausführlich beraten und nennen auch die Gründe für ihre Vorsicht. "Nachrichten über Raubüberfälle und Wohnungseinbrüche verbreiten sich entweder auf der Straße oder kommen ständig in den Nachrichten" sagt Schillberg. "Sowas spricht sich schnell rum, und viele Menschen fühlen sich dann einfach nicht mehr sicher."

Doch der Handel mit Sicherheitstechnik ist für die Brüder kein einfaches Geld-gegen-Ware-Geschäft. Welches Verteidigungsmittel ist für den Kunden am besten geeignet? Wie bedient man es? Welchen Effekt hat das Spray oder das Gerät auf den Angreifer? All diese Fragen müssen vorab geklärt sein. "Viele wissen beispielsweise nicht, dass man Pfefferspray nur gegen aggressive Tiere einsetzen darf oder der Einsatz von Reizgas bei Personen unter Drogeneinfluss einen geringeren Effekt hat", erklärt Schillberg. Deshalb müsse es auch nicht unbedingt die Sprühdose sein, mit der sich eine Frau im Notfall verteidigen kann. Auch der 130 Dezibel laute, schrille Ton des kleinen Alarmgerätes könne die Flucht erleichtern. Gleiches gilt für die Hochfrequenz-Taschenlampe, deren Licht den Angreifer blendet. Alarmgerät, Pfefferspray und Reizgas sind bereits ab zehn Euro zu haben, die Lampe für etwa 50 Euro.

Auch das Interesse an Waffen, für die entsprechende Dokumente nötig sind, steigt. "Derzeit besitzen 854 Bürger in Mönchengladbach einen Kleinen Waffenschein", sagt Polizeisprecher Jürgen Lützen. "Was die Zahl der Antragstellungen betrifft, beobachten wir einen deutlichen Anstieg." Doch selbst mit einem Waffenschein dürfe man Sprays sowie Elektroschocker, Gas- und Schreckschusspistole nicht überall bei sich tragen. "Bei öffentlichen Versammlungen sowie auf dem Weg dorthin sind diese Gegenstände verboten", sagt Lützen.

Dietmar Schillberg rät davon ab, sich zu sehr für den Ernstfall zu rüsten. "Man sollte nicht übertreiben" sagt er. "Ich würde einer Frau niemals empfehlen, eine Schreckschusspistole in der Handtasche zu tragen". Die Handhabung sei im Notfall zu kompliziert und eine Pistolen-artige Waffe auch eher provozierend statt deeskalierend. Schließlich gehe es in seinem Geschäft ausschließlich um Notwehr.

Quelle: RP
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