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Mönchengladbach
Mehr Schüler ohne Deutschkenntnisse

Mönchengladbach. Bei den Schülerzahlen ist der drastische Schrumpfungsprozess erst einmal vorbei. Dafür werden immer mehr Kinder und Jugendliche ohne Deutschkenntnisse unterrichtet. Keine einfache Aufgabe. Es gibt zu wenig qualifizierte Lehrer. Von Gabi Peters

Die Schülerzahlen sinken zwar weiter, aber nicht mehr so drastisch. "In den kommenden drei bis fünf Jahren werden in Mönchengladbach 2100 bis 2200 Kinder eingeschult. Der lange Schrumpfungsprozess ist vorbei", sagte Schuldezernent Dr. Gert Fischer gestern in einem Pressegespräch zum Schuljahresbeginn 2015/16.

Nach den Sommerferien werden 2124 Kinder ihre Schullaufbahn beginnen. Das sind 44 weniger als im vergangenen Jahr. 2215 Schüler wechseln in eine weiterführende Schule. Auch hier sank die Zahl um 83. Wegen des Schrumpfungsprozesses wurde in der Vergangenheit systematisch Schulraum abgebaut, sprich: Schulen wurden geschlossen.

Jetzt gibt es laut Fischer kaum noch Bewegungsfreiheit im Bereich der allgemeinbildenden Schulen. So habe man viel an Flexibilität verloren. Raumkapazitäten könnte man zum Beispiel für die wachsende Zahl der Seiteneinsteiger gebrauchen. Als Seiteneinsteiger werden schulpflichtige Kinder und Jugendliche bezeichnet, die im Laufe eines Schuljahres aus ihrem Heimatland kommen und ohne Deutschkenntnisse ins hiesige Schulsystem integriert werden. Denn die Schulpflicht gilt auch für sie.

In Mönchengladbach wurden im vergangenen Schuljahr in 33 von 37 Grundschulen 436 Seiteneinsteigerkinder unterrichtet, im Sekundarbereich waren es 380 Kinder und Jugendliche in 23 von 35 Schulen. In der Heinrich-Lersch-Hauptschule muss wegen der Seiteneinsteiger eine "Überlast" geführt werden.

Wie Fischer nachdrücklich betonte, seien die Seiteneinsteiger aber keinesfalls überwiegend Flüchtlingskinder. "Der weitaus größere Teil sind Zuwanderer oder Menschen, die nur für eine begrenzte Zeit in Deutschland leben. Dazu zählen zum Beispiel auch die Kinder von Santander-Bankmitarbeiter, die für drei oder vier Jahre in Mönchengladbach arbeiten und danach wieder in ihr Heimatland Spanien zurückkehren."

Die zunehmende Zahl der Seiteneinsteiger stellt Kommune, Schule und Lehrer vor große Herausforderungen. "Das Land tut sich schwer, genügend Ressourcen bereitzustellen", sagt der Schuldezernent. So gebe es beispielsweise nicht genügend Lehrer mit einer ausreichenden Qualifikation. "Die meisten Lehrer sind nicht dazu ausgebildet, Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten", sagt der Schuldezernent.

Die Art und Weise wie Seiteneinsteiger unterrichtet werden, sei den einzelnen Schulen überlassen, berichtet Schuldezernent Gert Fischer. Und: "Einige bilden eigene Klassen mit Seiteneinsteigern, andere verteilen die Schüler ohne Deutschkenntnisse."

Dass Einwandererkinder möglichst schnell einen passenden Platz in der Schule finden, dafür sorgt bei der Stadt die Arbeitsstelle für interkulturelle Bildung und Integration, kurz ABI genannt. Sie versucht herauszufinden, welche Schulform für das Kind oder den Jugendlichen geeignet ist. Mit einem Blick auf die Schulzeugnisse aus dem Heimatland sei es dabei nicht getan, sagt der städtische Schuldezernent Fischer. Außerdem könne man ein begabtes Kind nicht einfach einer Hauptschule zuweisen, nur weil es kein Deutsch kann.

Quelle: RP
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