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Mönchengladbach
Mehr sexuelle Gewalt per Whatsapp auf Schulhöfen

Mönchengladbach: Mehr sexuelle Gewalt per Whatsapp auf Schulhöfen
Sie helfen Kindern und Jugendlichen, die von sexuellem Missbrauch betroffen sind: Monika Schiffer, Nina Tellmann und Iljana Heine Schmitt. FOTO: Gabi Peters
Mönchengladbach. Die Zahl der sexuellen Grenzverletzungen unter Kindern und Jugendlichen wächst. Schuld sind auch Messengerdienste, über die Pornografisches und Gewaltverherrlichendes nahezu unkontrolliert verbreitet werden. Von Gabi Peters

Kein Smartphone? Das ist heute beinahe undenkbar. Eltern statten ihre Kinder gerne schon zur Grundschulzeit mit Mobiltelefonen aus, damit sie sich in Notfällen melden können. Was viele nicht ahnen: Ausgerechnet von Smartphones geht eine Gefahr für sexuellen Missbrauch aus, der oft unentdeckt bleibt.

462 Ratssuchende haben im vergangenen Jahr Kontakt zu Zornröschen, der Informationsstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen, aufgenommen. Und dabei gab es einen stark gestiegenen Bedarf nach Beratung bei sexuellen Grenzverletzungen unter Kindern und Jugendlichen. Der Grund: Sexfilme, pornografische Bilder und schlüpfrige Angebote, die massenhaft über Whatsapp, Instagram und Co. verbreitet werden. "Die Kinder tauschen heute ihre Telefonnummern aus, und zackzack gibt es eine Klassen-Whatsapp", sagt Zornröschen-Beraterin und Heilpädagogin Nina Tellmann, die auch für Präventionsveranstaltungen an Schulen zuständig ist. Sie sagt: "In jeder Klasse, in der wir sitzen, gab es schon Vorfälle, wurden anzügliche Sprüche oder Nacktfotos verbreitet. Das fängt schon in der Grundschule an." An vielen Schulen gebe es zwar ein Handyverbot, aber in den Pausen werde das Smartphone dennoch oft heimlich genutzt.

Traut sich ein Kind zu erzählen, dass es plötzlich einen Film mit sexueller Gewalt auf dem Handy hatte, würden Eltern oft die Schule in die Verantwortung nehmen. "Die Schule soll dann etwas unternehmen. Was viele Eltern nicht wissen: Sie dürfen ihren Kindern Whatsapp erst ab 14 Jahren erlauben", sagt Nina Tellmann.

Ein Problem sei, dass Kinder, die immer schutzbedürftig sind, sich oft mit dem Smartphone viel besser auskennen als ihre Eltern. "Das macht die Sache unfassbar gefährlich", sagt die Zornröschen-Beraterin. Eltern sollten wissen, wie sie Kindersicherungen fürs Internet einrichten können. Und sie sollten informiert darüber sein, mit wem die Kinder über Handy kommunizieren. Bei den Präventionsveranstaltungen an Schulen ermutigen die Zornröschen-Berater Kinder und Jugendliche, sich Helfer zu holen, wenn die per Smartphone sexuell belästigt werden.

Da mit Nina Tellmann, die seit dem 1. Januar bei Zornröschen arbeitet, eine weitere Heilpädagogin im Team ist, soll nun auch die Beratung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung ausgeweitet werden. Die seien oft noch mehr gefährdet, weil sie die in den neuen Medien gezeigten Formen der Erwachsenensexualität noch weniger einordnen könnten.

Zornröschen setzt sich für einen verbesserten Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexuellen Übergriffen ein und ist auf Spenden und Bußgelder, die dem Verein zufließen, angewiesen. "In diesem Jahr sieht es bei den Finanzen noch nicht so rosig aus", sagt Vorsitzende Monika Schiffer.

Quelle: RP
 
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