| 00.00 Uhr

Mönchengladbach
Mehr Transparenz in der Pflege

Mönchengladbach: Mehr Transparenz in der Pflege
Marius Zander, Sebastian Gormanns und Holger Wenschuh (v. l.) entwickelten ein Bewertungsportal für Pflegeeinrichtungen. Sie wollen damit die Transparenz in der Pflege verbessern. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Drei Mönchengladbacher haben ein Bewertungsportal für Pflegedienste entwickelt. Das Projekt will Betroffenen und Angehörigen helfen, die passende Einrichtung zu finden. Auch die Dienstleister sollen von der Idee profitieren. Von Tim Specks

Das Zeitalter digitaler Medien macht es einfach, sich ein Bild von unserem Zeitgeist zu machen. Statistiken von Internet-Suchmaschinen beispielsweise lassen einen Rückschluss darauf zu, worüber sich Menschen im Zusammenhang mit bestimmten Themen informieren. Die Statistik zeigt: In Verbindung mit dem Suchbegriff "Pflege" wird häufig nach dem Wort "Gewalt" gesucht. Nun muss diese Tatsache zwar nicht gleichbedeutend mit einem Generalverdacht gegenüber der Pflegebranche sein. Doch sie zeigt, dass sich Menschen - ob nun Pflegebedürftige selbst, oder aber ihre Angehörigen - genauestens informieren wollen, wenn es um die Auswahl eines Pflegedienstes geht.

Die drei Mönchengladbacher Sebastian Gormanns, Holger Wenschuh und Marius Zander haben diesen Trend erkannt und aus demWunsch vieler ein Geschäftsmodell entwickelt. Auf dem von ihnen gegründeten Internetportal "Pfluchs24" können Patienten und ihre Angehörigen Pflegedienste online bewerten.

Der Vorgang, Pflegedienste zu bewerten, ist nicht neu. Jede Pflegeeinrichtung in Deutschland wird jährlich vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) unangemeldet geprüft. Dies soll sicherstellen, dass Pflegeeinrichtungen Qualitätsstandards, die sich aus dem Pflegeversicherungsgesetz ergeben, einhalten. Das Problem: Ein klassischer Pflegedienst hat durchschnittlich rund 100 Patienten zu betreuen, von denen bei der Bewertung durch den MDK nur ein geringer Teil befragt werden kann. "In diesem Fall von Patientenzufriedenheit zu sprechen, ist schwierig", sagt Holger Wenschuh. "Pfluchs24" geht deshalb einen Schritt weiter. Die Bewertung der Pflegedienste wird auf dem Portal direkt von Patienten selbst oder aber ihren Angehörigen vorgenommen. Das Prinzip ähnelt dabei dem vom Hotelbewertungs-Portalen. Anhand von Schulnoten können Kriterien wie Pünktlichkeit, Freundlichkeit und Fachkenntnisse benotet werden. Hinzu kommen spezifischere Aspekte wie der Umgang mit Demenz, die Qualität der Verpflegung oder die Erledigung von Botengängen.

Um den Pflegediensten gegenüber möglichst fair zu bleiben, kontrollieren die Betreiber des Portals jede einzelne Bewertung, bevor sie online einsehbar ist. Die Einrichtungen können darüber hinaus auch selbst per Kommentarfunktion Stellung zu den Bewertungen beziehen.

"Pfluchs24" ist jedoch nicht nur als Bewertungsportal gedacht. Die Seite soll auch den Pflegediensten helfen. "Man hört immer, dass in der Pflegebranche alles schlecht läuft. Dass die Branche in Verruf geraten ist, ist unfair denen gegenüber, die ihre Sache gut machen", so Wenschuh. Deshalb soll das Portal auch den Pflegediensten auf verschiedene Weisen nutzen. Zum einen sei die Seite eine Möglichkeit, sich selbst online zu präsentieren, sagt Holger Wenschuh. "Man kann seine eigene Seite bauen und zum Beispiel Spezialisierungen des eigenen Dienstes aufzeigen." Auch der MDK-Bericht ist auf Wunsch auf der jeweiligen Seite zu finden. "Wichtig ist auch, dass die Pflegedienste das Portal für das eigene Qualitätsmanagement nutzen können", erklärt Sebastian Gormanns. Anhand der Bewertungen können die Einrichtungen sehen, an welchen Stellen sie nach Patientenempfinden bereits gut arbeiten und wo es Verbesserungsbedarf gibt. Bei der Weiterentwicklung des Portals vertrauen die drei auch auf Rückmeldungen der Pflegedienste. "Wir wollen mit den Einrichtungen zusammen arbeiten, falls sie beispielsweise Verbesserungen oder Ergänzungen vorschlagen", sagt Marius Zander.

Entstanden ist die Idee vor rund zwei Jahren. Zander hatte berufsbedingt Kontakt zu vielen Ärzten und bereits ein Bewertungsportal für Mediziner kennengelernt. Mit Holger Wenschuh, selbst Kaufmann im Gesundheitswesen, besprach er die Möglichkeit, ein Bewertungsportal auch für Pflegedienste zu entwickeln. Ende 2014 stieß dann Betriebswirt Gormanns zum Team.

Von den rund 25.000 ambulanten und stationären Pflegediensten deutschlandweit sind 20.000 bei "Pfluchs24" zu finden. Geht es nach den Entwicklern, sollen sowohl Patienten, als auch Pflegedienste von dem Portal profitieren. Das Ziel formuliert Zander so: "Wir wollen mehr Transparenz in der Pflege."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Mönchengladbach: Mehr Transparenz in der Pflege


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.