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Mönchengladbach
Mein Tag in Paris: EM und Sightseeing

Reportage: Von Mönchengladbach nach Paris zur EM
Mönchengladbach. Ist es schwierig und teuer, ein EM-Spiel live anzuschauen? Nein. Denn ich wurde von der Redaktion nach Paris geschickt und habe innerhalb von 24 Stunden nicht nur Island gegen Österreich gewinnen sehen, sondern auch Sightseeing gemacht. Und zwar für etwa 250 Euro. Von Saskia Nothofer

22. Juni, 6.16 Uhr: Los geht die Tour am Düsseldorfer Hauptbahnhof. Ich steige in den Thalys, der mich für 74 Euro in nur vier Stunden nach Paris bringt. Das Frühstück für die Fahrt habe ich mir von zu Hause mitgebracht - ist günstiger.

Auf dem Weg zur EM nach Frankreich FOTO: Isabella Raupold

9.25 Uhr: Zwar treffe ich schon einzelne Österreich-Fans im Zug, von EM-Stimmung kann aber nicht die Rede sein. Die meisten Leute starren auf ihre Laptops und Smartphones oder schlafen. Kurz vor Paris werden alle aus ihren Träumen gerissen: Kontrolle. Drei Polizisten laufen durch den Gang und wollen die Ausweise sehen.

10.05 Uhr: Endlich in Paris. Am Bahnsteig stehen Polizisten und starren uns an. Viele von ihnen mit Maschinengewehr. Aber das Wetter könnte nicht besser sein, die Sonne scheint, es sind etwa 27 Grad. Also ab in die Stadt und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten besuchen. Ich kaufe mir ein Tages-Metroticket für 11,15 Euro und kann starten. Meine erste Station: der Louvre.

11 Uhr: Bei strahlend blauem Himmel komme ich aus dem dunklen und stickigen U-Bahn-Schacht vor der Comédie française wieder ans Tageslicht. Die gewaltigen Bauten sind immer wieder beeindruckend. Das ist Paris! Hier und auch schon am Bahnhof sind mir die ersten Fußballfans aufgefallen - aus Österreich. Als ich vor dem Louvre rund um die Glaspyramide spazierengehe, werden es immer mehr, manche starten auch schon ihre Fangesänge. Isländer sehe ich keine. Vielleicht finde ich ja welche auf der Champs-Élysées.

11.30 Uhr: Am Triumphbogen angekommen, sehe ich zuerst wieder viel rot. Rote Schals und rote Trikots der Österreicher. Und dann steht er plötzlich vor mir: der erste isländische Fan. Im Trikot und mit Fähnchen läuft er auf mich zu. "Sie sind der erste isländische Fan, den ich heute sehe", sage ich. Er freut sich und ist sofort für ein Foto zu haben.

12 Uhr: Durch das frühe Frühstück habe ich Hunger. Da ich sparen möchte und das Essen in Frankreich generell nicht günstig ist, mache ich mich auf die Suche nach einem bezahlbaren, aber trotzdem leckeren Mittagessen. Überraschenderweise werde ich schnell fündig: bei "Paul". Schon während meines Erasmus-Aufenthalts in Südfrankreich war ich dort Stammkundin. Perfekt also, um ein leckeres belegtes Baguette für 4,70 Euro zu kaufen.

12.45 Uhr: Weiter geht es zum Eiffelturm, wo auch die Fanmeile zum Public Viewing aufgebaut ist. Da das Spiel erst um 18 Uhr beginnt, sind noch keine Fans da, dafür aber sehr nette Polizisten, die alles andere als gestresst wirken und gerne ein Foto mit mir machen. Wie schon am Morgen fällt mir auch hier auf: Die meisten Fans sind Österreicher.

14.30 Uhr: Für die kurze Zeit habe ich schon viel gesehen, dabei steht das Highlight noch bevor. Um mich für das Spiel frisch zu machen, fahre ich in mein Hostel im Viertel Montmartre. Für 43 Euro habe ich einen Platz in einem Vierbettzimmer gebucht. Die Lage könnte nicht besser sein: Ich komme aus der U-Bahn und sehe direkt Sacré-Cœur.

15.30 Uhr: Bevor ich ins Stadion fahre, mache ich einen Abstecher zur Moulin Rouge, die nur zehn Minuten vom Hostel entfernt ist. Und ich gehe in den Supermarkt, weil ich schon gehört habe, wie teuer Essen und Getränke im Stadion sein sollen. Mal wieder gibt es Baguette, für 1,50 Euro, und Wasser.

16 Uhr: Haltestelle Stade de France - ich bin da. Während die EM-Stimmung in der Stadt eher verhalten war, ist hier die Hölle los. Auf dem Weg ins Stadion sind Stände aufgebaut. Es gibt einigermaßen bezahlbares Bier, Musik und das Gegröle der Fans. Die Stimmung unter den gegnerischen Lagern ist gut. Sie feiern gemeinsam. Stoßen an und haben einfach Spaß. Kurz hinter dem Gewimmel gibt es die erste Kontrolle: Flaschen dürfen ab hier nicht mehr mitgenommen werden. Dann eine zweite Kontrolle: Mein Rucksack wird durchsucht (nicht gerade gründlich), ich werde abgetastet.

17 Uhr: Gate Y, Block 8, Rang 72, Sitz 24. Das ist mein Platz. Für 43 Euro. Langsam füllen sich die Ränge, und auch ich bekomme nette Nachbarn: Tibaux, Naz und Kris-Mariel. Die drei kommen aus Paris. Halten zu Österreich. Ich dagegen bin für Island und habe mir ein Landes-Fähnchen gekauft. Zum Glück habe ich Proviant mitgenommen, denn ein Hot Dog kostet hier sechs, 0,5 Liter Bier sieben Euro. Eine Cola gönne ich mir trotzdem. Für vier Euro.

18 Uhr: Anpfiff. Das Bild von der Straße setzt sich im Stadion fort: Die Mehrheit der Zuschauer sind Österreicher.

18.18 Uhr: Tor für Island. Super! Ich freue mich, die meisten Leute um mich herum nicht.

19.15 Uhr: Tor für Österreich. Das Stadion tobt. Mist, so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ab jetzt dominieren die Österreicher das Spiel. Ich glaube nicht mehr daran, dass Island ins Achtelfinale zieht.

19.50 Uhr: Unglaublich, aber wahr: Island schießt in der letzten Sekunde der Nachspielzeit das 2:1 und steht als Gruppenzweiter im Achtelfinale. Dann hat sich mein Daumendrücken als doch gelohnt. Juhu!

20.30 Uhr: Nach dem langen Tag komme ich erschöpft, aber glücklich und zufrieden wieder im Hostel an und will mir einen ruhigen Abend machen. Daraus wird nichts. Heute ist "Pasta-Party", und so gibt es Nudelsalat und Wein mit einigen anderen Gästen der Unterkunft.

0 Uhr: Ich falle müde ins Bett.

23. Juni, 7.46 Uhr: Abfahrt nach Düsseldorf, wieder für 74 Euro. Wie am Flughafen gibt es eine Sicherheitskontrolle, bevor ich in den Zug steigen darf. Dies ist nur beim Thalys der Fall, nicht bei den anderen Fernzügen.

11.40 Uhr: Ankunft in Düsseldorf. Nur das letzte Stück mit der Bahn nach Mönchengladbach ist problematisch und dauert länger als geplant - Oberleitungsstörung. Trotzdem hat der Trip natürlich riesigen Spaß gemacht und ich kann jedem empfehlen, es mir nachzumachen.

Für RP Online habe ich die Fahrt auf der App "Snapchat" festgehalten. Hier gibt es ein Video davon sowie eine Bilderstrecke.

Unsere Autorin ist für rund 250 Euro zu einem EM-Spiel in der französischen Hauptstadt gefahren. Das hat sie erlebt.

Quelle: RP
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