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Mönchengladbach
"MG+" wächst etwas weniger

Mönchengladbach. Die Zahl der Genehmigungen für neue Wohnungsbauprojekte ging im ersten Halbjahr 2017 deutlich zurück. Das Ausmaß überrascht Immobilienexperten, denn die Nachfrage ist ungebrochen groß. Von Andreas Gruhn

Wachstum, mehr Wohnungen, mehr Menschen - diesem Dreiklang wird unter dem Marketing-Namen "mg+" alles in Mönchengladbach untergeordnet. Dazu passen die vielen Pläne für Neubauten in der Stadt - vom Reme-Gelände in Lürrip, über die City Ost bis hin zum Maria-Hilf-Areal nahe der Innenstadt. Insofern überrascht aber umso mehr, dass die Zahlen für Baugenehmigungen in der Stadt im ersten Halbjahr 2017 deutlich eingebrochen sind.

Wie das Statistische Landesamt IT NRW mitteilte, wurden von Anfang Januar bis Ende Juni insgesamt 93 Bauprojekte für die Errichtung neuer Wohnungen in der Stadt genehmigt. Im Vorjahr waren es noch 140 Genehmigungen gewesen. Insgesamt erteilte die Stadt die Erlaubnis zum Bau von 72 Einfamilienhäusern (erstes Halbjahr 2016: 101), sieben Zweifamilienhäusern (2015: 15) und 14 Mehrfamilienhäusern einschließlich Wohnheime (2015: 24). Insgesamt sollen so 257 neue Wohnungen entstehen, was einem Rückgang gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 20,4 Prozent entspricht.

Im vergangenen Jahr war noch ein regelrechter Boom bei den Baugenehmigungen ausgebrochen. Der ist schnell wieder abgeebbt - was allerdings zu einem gewissen Teil auch ein bundesweites Phänomen ist. Der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsbauunternehmen erklärte, die Spitze im vergangenen Jahr hätte auch an einer Verschärfung der Energie-Einsparungsverordnung gelegen. Viele Unternehmen hätten deshalb Bauprojekte vorgezogen, um noch die alten Regelungen zu nutzen - insofern wäre ein gewisser Einbruch zu erklären. Allerdings fällt auch auf, dass der Einbruch in Mönchengladbach mit einem Rückgang von etwa 33 Prozent deutlicher ist als im Landesdurchschnitt (minus 14,9 Prozent). In Düsseldorf etwa, wo Immobilienpreise und Mieten stark angezogen haben in den vergangenen Jahren, stieg die Zahl der Genehmigungen um 20 Prozent - ausgerechnet aus der Landeshauptstadt will Gladbach eigentlich Familien und Gutverdiener anlocken.

"Der Rückgang der Genehmigungen verwundert schon ein bisschen, denn die Nachfrage am Markt ist nach wie vor sehr groß", sagt Immobilienberater Frank Mund. "Die Zinsen sind unverändert niedrig, viele Menschen wollen immer noch bauen." Zuletzt hatten Mund, Makler Norbert Bienen und Sparkassen-Immobilienexperte Jochen Morjan im Interview mit unserer Redaktion bereits angemahnt, derzeit kämen zu wenige neue Objekte auf den Markt. Bei der Stadtsparkasse hieß es angesprochen auf die neuen Zahlen vom Land: "Durch die anhaltende Niedrigzinsphase bleibt die Anlage in Immobilien weiter sehr interessant, auch die Rahmenbedingungen für Investoren sind gut. Leider kann die Nachfrage nicht komplett bedient werden, da für den Neubau geeignete Baugrundstücke fehlen." Die Sparkasse führt das auch darauf zurück, dass Eigentümer von Bauland derzeit lieber nicht verkaufen, sondern auf weiter steigende Preise setzen.

Dass in Mönchengladbach Wohnungen fehlen, ist unbestritten. Wie drastisch die Wohnungsknappheit ist, darüber sind sich Experten uneins. Im letzten Bericht der Verwaltung zum Stand beim Wohnungsbau im März an die Ratsmitglieder hieß es: Kurzfristig, also innerhalb der nächsten beiden Jahre, könnten im Stadtgebiet insgesamt rund 2200 Wohneinheiten geschaffen werden für ca. 4400 Einwohner. Aktuelle Wohnungsbauprojekte laufen vor allem in den innenstadtnahen Stadtteilen von Mönchengladbach und Rheydt sowie in Hardt. Mittelfristig, also innerhalb der nächsten zwei bis fünf Jahre können insbesondere durch die Großprojekte weitere Wohneinheiten in derselben Größenordnung für bis zu knapp 5000 Einwohner entstehen, hieß es.

Quelle: RP
 
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