| 00.00 Uhr

Mönchengladbach
Migration beschäftigt Schüler am meisten

Mönchengladbach: Migration beschäftigt Schüler am meisten
Die Politiker stellten sich den Fragen der Schüler. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. "Wir nennen uns Schule ohne Rassismus. Wie können Sie glauben, bei uns Wähler zu gewinnen", fragt ein Schüler den AfD-Kandidaten Holger Hexgen. "Im AfD-Wahlprogramm steht, dass Sie auffällige Moscheen schließen wollen", sagt eine Schülerin. "Waren Sie schon einmal in einer Moschee?" Von Angela Rietdorf

In der Schlussrunde der Podiumsdiskussion wenden sich die Oberstufenschüler des Huma auffällig oft kritisch an den AfD-Vertreter. Die Schüler haben zu diesem Zeitpunkt eine anderthalbstündige Veranstaltung hinter sich, in der sich die Bundestagskandidaten von CDU, SPD, FDP, Grünen, Linken und AfD mit ihren Positionen präsentiert haben.

Das Interesse und die Konzentration des jugendlichen Publikums in der Aula des Stiftischen Humanistischen Gymnasiums sind groß, obwohl nur eine Minderheit bei der Bundestagswahl schon wahlberechtigt ist. Von Politikmüdigkeit keine Spur. Die sechs Kandidaten werden zu Themenkomplexen wie Sicherheit und Migration befragt, haben aber auch Gelegenheit, sich persönlich vorzustellen. Zum Beispiel, indem sie ihr schönstes Schulerlebnis nennen. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Günter Krings erinnert sich an eine Rede des Philosophen Hans Jonas im gleichen Raum, in dem die Podiumsdiskussion stattfindet. Seine Kollegin von der SPD Gülistan Yüksel erzählt von ihrem ersten Schultag in Deutschland, als sie kein Wort verstand, später aber viel Hilfe erfahren habe. Und Sebastian Merkens von den Linken verweist auf seine Schulverweigerer-Vergangenheit, wegen der er auf dem zweiten Bildungsweg Abitur machte.

Schnell wird es aber dann politisch. Nach besonders wichtigen Themen gefragt, nennt Peter Walter von den Grünen den Klimaschutz und die Friedenspolitik, Gülistan Yüksel die soziale Gerechtigkeit und Sebastian Merkens von der Linken die Absage an Hartz IV und die Nato. "Wir wollen allen die Chance geben, sich ein Leben aufzubauen", sagt Stefan Dahlmanns, als er eine Zuhörerin überzeugen soll, die FDP zu wählen. Als Wahlgründe für die AfD führt Holger Hexgen den Ausstieg aus dem Euro an.

Bei der inneren Sicherheit lehnt niemand die Videoüberwachung komplett ab: Videoüberwachung brauche aber genügend Personal bei der Polizei sind sich Krings, Yüksel, Dahlmanns und Walter einig. Allerdings will der FDP-Mann nicht so viele Daten sammeln, dafür aber die Polizei besser vernetzen. Der Grüne merkt an, dass es schlicht und einfach nicht genug Polizisten gebe, und plädiert für Prävention durch Sozialarbeiter. AfD-Mann Hexgen fordert Grenzkontrollen, um Gefährder nicht ins Land zu lassen. Bei der Frage, ob der Islam zu Deutschland gehöre, wird Yüksel energisch. "Ich kann die Frage nicht mehr hören", sagt sie. Man solle doch die Menschen so nehmen, wie sie seien, Integration funktioniere nur mit allen Rechten und Pflichten. "Religionsfreiheit gehört zu Deutschland", antwortet Günter Krings. "Das macht uns aus."

Unterschiedlich ist die Bewertung von Angst durch die Kandidaten. Krings will den Bürgern keine Angst machen, aber Sicherheit liefern. Merkens fordert weniger Angst und mehr Mut, aufeinander zuzugehen. Und Hexgen verlangt, die Angst ernstzunehmen. Nach 90 Minuten endet die Veranstaltung. Die Schüler wirken zufrieden. Ja, sie wisse nun, wen sie wähle, sagt eine Oberstufenschülerin. Ihr habe die SPD-Kandidatin am besten gefallen.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Mönchengladbach: Migration beschäftigt Schüler am meisten


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.