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Mönchengladbach
Millionen für digitale Klassenzimmer?

Mönchengladbach: Millionen für digitale Klassenzimmer?
FOTO: DPA
Mönchengladbach. Bei drahtlosem Internet an Schulen ist Mönchengladbach noch Entwicklungsland. Allein die Infrastruktur kostet jeweils einen sechsstelligen Betrag. Die SPD setzt Hoffnungen auf eine zweistellige Millionenförderung vom Land. Von Ludwig Krause

Overhead-Projektoren, Kreide und Tafelschwämme. Während in den Büros längst Tablets und Beamer Einzug gehalten haben, sieht es an den Schulen häufig noch anders aus. Der Lehrplan hat sich gewaltig geändert, bei den Unterrichts-Materialien kommt man zuweilen aber noch wie in den 1980er Jahren daher. Kopierkosten inklusive. Computer in Fachräumen sind das eine. "Langfristig wird aber alles auf flächendeckende drahtlose Netzwerke hinauslaufen", sagt Stadtsprecher Dirk Rütten.

Zumal sich Tablets und Smartphones über die Lan-Kabel nicht verbinden lassen. "Wir stehen aber noch ganz am Anfang", meint aber Markus Spinnen, CDU-Sprecher im Schulausschuss. "Die infrastrukturellen Voraussetzungen sind nicht überall gegeben", sagt auch SPD-Fraktionsvorsitzender Felix Heinrichs. Um die zu schaffen, benötigt es vor allem eines: Geld. Die Stadt hat am Beispiel einer Gesamtschule hochgerechnet, dass allein die technische Infrastruktur einen sechsstelligen Betrag pro Schule kostet.

Zumindest ein Teil des Geldes könnte in den kommenden Jahren vom Land NRW kommen. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sieht mit dem Programm "Gute Schule 2020" in den kommenden vier Jahren insgesamt zwei Milliarden Euro an Investitionen in den Kommunen vor. Finanziert werden sollen dadurch etwa Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten, die Renovierung von Toiletten oder der Ausbau des Ganztages. Aber eben auch die Digitalisierung an den Schulen.

Das Land nimmt ein zinsfreies Darlehen in Anspruch, um die Tilgung für die Kommunen zu übernehmen. Felix Heinrichs erwartet für Mönchengladbach einen Förderbetrag in zweistelliger Millionenhöhe. Die Antwort darauf, wie viel genau es wird und wie die Rahmenbedingungen dafür aussehen, erhofft er sich in den kommenden Tagen. "Wir halten es für wichtig, dass die Politik inhaltliche Schwerpunkte setzt und die Verwaltung Schulen nennt, an denen die Maßnahmen umgesetzt werden können", sagt Heinrichs.

Zu den Prioritäten in Mönchengladbach gehören nach Ansicht der SPD zusätzlicher Raum für Ganztagsschulen, Barrierefreiheit und eben Digitalisierung. Die FDP-Landtagsabgeordnete Yvonne Gebauer fordert beim Auftakt der Bildungstour in Mönchengladbach zusätzlich einen Staatsvertrag zwischen Bund und Ländern für ein Sonderprogramm zur digitalen Infrastruktur. "In den nächsten fünf Jahren sollen insgesamt 1000 Euro pro Schüler in die Ausstattung der fließen", sagt Gebauer.

An allen 88 Schulstandorten in Mönchengladbach gibt es nach Auskünften der Stadt ein zweigliedriges IT-Netz. Das pädagogische Netz, das im Unterricht genutzt werden kann, und das Verwaltungsnetz, das noch einmal besonders gesichert ist. "Unser Ziel ist es, in jedes Klassenzimmer Internet zu bekommen", sagt Rütten. An weiterführenden Schulen ist die Stadt dabei schon weiter, bei den Grundschulen weniger.

Einige sind bisher nur über einen Computerraum ans Internet angeschlossen. Längst nicht alle verfügen über ein flächendeckendes W-Lan oder eine entsprechende Breitbandverbindung, um das auch sinnvoll einsetzen zu können. "Wir haben in den vergangenen Jahren bei Brandschutzmaßnahmen an Schulen wo immer möglich auch gleich Glasfaser verlegt", sagt Dirk Rütten. Die Gesamtschule Volksgarten ist ein Beispiel dafür.

Bis es soweit ist, dass klassenweise Tablets und digitale Tafeln verwendet werden können, dürfte es aber noch einige Zeit dauern. "Wenn man die komplette Infrastruktur hat, sind die Schulen immer noch nicht mit den entsprechenden Geräten ausgerüstet. Das ist noch ein stückweit Zukunftsmusik", sagt Rütten. Auch weil es eben noch andere Baustellen an den Schulen gebe, wie Markus Spinnen sagt: "Digitalisierung ist wichtig, aber eben nicht alles.

Wir müssen auch in die Schulstrukturen, die Ganztagsbetreuung und die Unterrichtsqualität investieren." In der Nachbarstadt Düsseldorf hat man sich derweil schon ehrgeizigere Ziele gesetzt: Bis zu den Sommerferien 2018 soll dort jede Schule einen drahtlosen Internetzugang haben und mobile Endegeräte wie Tablets und Smartphones nutzen können.

Quelle: RP
 
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