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Mönchengladbach
Mit dem Fernbus in 273 Städte

Mönchengladbach: Mit dem Fernbus in 273 Städte
Flixbus übernimmt Postbus. Damit wird der Markt noch einseitiger. FOTO: dpa, dan lof
Mönchengladbach. Von Mönchengladbach aus kann man mit Fernbussen in elf Länder fahren. Bei Direktverbindungen ist die Auswahl deutlich kleiner. Seit dem Abriss des Haltestellengebäudes ist die Situation für die Reisenden nicht mehr optimal. Von Ludwig Krause

Heute Morgen hätten Sie fahren können. 5.35 Uhr, Abfahrt mit dem Fernbus in Mönchengladbach, Hindenburgstraße 224. Zielort: Stadt der Liebe, Paris. Zum Frühstück wären Sie zwar nicht gerade angekommen, aber das französische Frühstück genießt ja auch nicht unbedingt Weltruf. Zum Mittag wäre es wohl aber auch etwas knapp geworden. Na gut - erst um 19.10 Uhr heute Abend soll der Bus in Quai de Bercy an der Seine ankommen. Nach 13 Stunden und 35 Minuten Fahrtzeit inklusive eines zweistündigen Aufenthalts in Amsterdam. Wer nicht ganz so früh aufstehen möchte: Alternativ wäre auch noch ein Bus um 9 Uhr im Angebot. Der kommt aber auf satte 22 Stunden und 15 Minuten Fahrzeit, inklusive eines vierstündigen Aufenthalts in Hannover. Aber was macht man nicht alles, um Geld zu sparen.

Um die 70 Euro müsste ein Fahrgast für diese Last-Minute-Reise bezahlen. Wer früher bucht, kommt deutlich günstiger weg - und das mittlerweile nach fast ganz Europa. 273 Städte in elf Ländern fährt alleine der Anbieter Flixbus von Mönchengladbach aus an. Von Amsterdam bis Zürich, von Antwerpen bis Zwickau. Wenn Vicky Leandros mit Theo nach Lódz fahren will, kann sie das ab Mönchengladbach tun. Morgen früh, ab 9 Uhr. Kostet 60 Euro und dauert 17 Stunden und 35 Minuten.

Die Nummer eins im deutschen Markt hat gerade erst Postbus, die Nummer zwei übernommen. Das Unternehmen, das insgesamt 900 Orte in 20 Ländern anfährt, hat damit rund 120 neue Ziele mehr. "Wir wollen zum Beispiel die Küste häufiger anfahren und den grenzüberschreitenden Verkehr ausbauen, vor allem aber die Regionen stärken", sagt Flixbus-Geschäftsführer André Schwämmlein. Profitieren sollen Kleinstädte, die bisher noch nicht an das Netz angeschlossen sind.

In Mönchengladbach fährt neben Flixbus nur noch der polnische Anbieter Sindbad Eurobus. Die Knotenpunkte im Streckennetz des Fernbusverkehrs sind in NRW vor allem Dortmund, Düsseldorf und Leverkusen. Dort sorgen die Busse aber auch immer wieder für Ärger. Köln hat die Fernbusse im Herbst vergangenen Jahres aus dem Zentrum verbannt, eine Klage dagegen scheiterte vor dem Verwaltungsgericht.

Von Mönchengladbach aus kann man nach Deutschland, Österreich, Frankreich, in die Schweiz, nach Polen, Belgien, in die Niederlande, nach Italien, Slowenien, Tschechien und Kroatien fahren. Das kann aber gerne etwas länger dauern: Während man von der Hindenburgstraße aus nur 1 Stunde und 20 Minuten nach Nimwegen benötigt, sind es nach Danzig knapp 23, nach Mailand sogar bis zu 29 Stunden. Bei den meisten der insgesamt 273 Ziele, die Flixbus ab Mönchengladbach anbietet, ist dann auch mindestens ein Umstieg nötig. 44 Fernbus-Direktverbindungen sind dem Portal fernbusse.de zufolge ab der Vitusstadt möglich. Und die befinden sich ausnahmslos in Deutschland und den Niederlanden.

Die Stadt Mönchengladbach beobachte die Konkurrenz der Anbieter untereinander seit der Liberalisierung des Wettbewerbs 2013 genau, wie es auf Anfrage unserer Redaktion heißt. "Der Haltepunkt für Reisebusse und Fernbuslinien an der Hindenburgstraße ist optimal gelegen", sagt ein Sprecher. "Er bietet den Kunden der Anbieter allerdings keinen Komfort und seit dem aus Sicherheitsgründen erfolgten Abriss des maroden Haltestellengebäudes im Jahr 2014 auch keinen Schutz vor Wind und Wetter mehr." Für Ideen und Angebote - zum Beispiel der Fernbusunternehmen und Reiseveranstalter - habe die Verwaltung immer ein offenes Ohr.

Beliebt sind ab Mönchengladbach vor allem die besonders günstigen Verbindungen in deutsche Städte oder in die Niederlande. Flixbus bietet eigenen Angaben zufolge Fahrten für 5 Euro nach Bochum und 7 Euro nach Nimwegen. Nach Frankfurt werden 11 Euro fällig, nach München 19. Dabei handelt es sich aber nur Minimalpreise zu einem bestimmten Zeitpunkt, das tatsächliche Ticket kann also deutlich teurer sein. Je nachdem, wann man bucht. Dementsprechend mahnen auch Verbraucherschützer zum Vergleich. Je nach Ziel kann ein Zug- oder Flugticket bei rechtzeitiger Buchung günstiger sein als ein Fernbus-Angebot.

Für einen Kurztrip in die Nachbarstadt kann man Fernbusse übrigens nicht nutzen. Die Anbieter dürfen eigenen Angaben zufolge keine Strecken anbieten, die kürzer als 50 Kilometer sind oder in weniger als einer Stunde mit der Bahn zurückgelegt werden können.

Quelle: RP
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