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Serie Was Macht Eigentlich?
Mit dem Motorrad in Rom: Die Entscheidung

Johannes van der Vorst wuchs auf der Matthiasstraße in Eicken auf, wo sein Vater eine kleine Hosenfabrikation hatte. Als Johannes sechs war, zog die Familie nach Waldhausen zum Mevissenhof, gegenüber der Kirche St. Peter. Er wurde früh, wie seine drei Brüder, Messdiener, war in der Katholischen Jugend. Und sehr bald wusste er, was er später werden wollte: Priester. Der kleine Johannes spielte in der Küche Messen nach - im Umhang und mit kleinen Kelchen.

Er war, was sich nun mal nicht verhindern ließ, beim Jungvolk der Nazis. Doch als er Gruppenführer werden sollte, da spielte er nicht mit: "Ich bin einfach abgehauen." Er erlebte die Bombennächte: "Bei uns in Waldhausen war es zum Glück nicht ganz so schlimm wie direkt in der Innenstadt. Aber dann geriet unser Haus gegen Kriegsende unter Artilleriebeschuss, das Dach war fast komplett weg. Wir haben es mit der ganzen Familie geflickt."

Knapp 15 war Johannes, als der Krieg endete. Er hatte keinen Abschluss auf der Volksschule gemacht, weil er 1943 im siebten Schuljahr aufs Gymnasium gewechselt war. Doch das "Huma" wurde bald vom Spatzenberg nach Bad Kissingen ausgelagert. Mit Abitur war nichts mehr. Und mit der Verwirklichung seines Traumberufs Priester ohne Abitur auch nichts - erst einmal, für gut zwei Jahrzehnte.

Johannes wurde gleich nach Kriegsende im total zerstörten Gladbach zur landwirtschaftlichen Arbeit abgestellt, als Hilfsarbeiter bei der Gärtnerei Hoffmann in Hardt. Anfang 1947 begann er eine kaufmännische Lehre bei der Baumwollspinnerei C. O. Langen & Cie. und arbeitete bis 1960 dort in der Buchhaltung.

1957 aber hatte er schon einen Entschluss gefasst, der seinem Leben die entscheidende Wendung geben sollte. "Ich war 27, begeisterter Motorrad-Fan, als ich mit meiner DKW 250 und einem Freund nach Rom fuhr. Als ich am Petersgrab niederkniete, wusste ich auf einmal, dass ich jetzt endlich Priester werden wollte." Als er zurück war, meldete er sich an der Abendschule in Neuss an: Vier Jahre, in den ersten beiden nach der Arbeit, fuhr er dorthin - und machte 1962 das Abitur. Der Weg zum Theologie-Studium war frei. Und die katholische Kirche bekam einen Priester, wie sich kaum einen besseren hätte wünschen können. Einen, der sich selbst "Sturheit" bescheinigt: "Weil ich das, was ich mir vorgenommen habe, auch durchsetze."

(oes)
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