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Mönchengladbach
Mit der Teilqualifizierung häppchenweise zur Berufsausbildung

Mönchengladbach: Mit der Teilqualifizierung häppchenweise zur Berufsausbildung
v. l.: Wolfgang Draeger (Agentur für Arbeit Mönchengladbach), Stefan Bresser (Kreishandwerkerschaft), Elisabeth Hollenbeck und Bernd Lange (beide Jugendförderungswerk). FOTO: Arbeitsagentur
Mönchengladbach. Nennen wir ihn Jürgen. Jürgen ist 43, hat nie eine Berufsausbildung abgeschlossen und ist arbeitslos. Er würde sich ja gern irgendwie qualifizieren, doch weil er eine Familie zu ernähren hat und den kranken Vater pflegt, kann er sich das, so merkwürdig das klingen mag, schlicht und einfach nicht leisten. Auf dem Papier gilt Jürgen als "Geringqualifizierter Arbeitsloser" - und in der Realität ist er mindestens genauso frustriert wie desillusioniert, weil Menschen in seiner Lebenssituation trotz aller Programme und Maßnahmen bisher meist durchs Raster fielen. Von Jan Schnettler

Das soll sich tunlichst ändern. Die Arbeitsagentur startet mit dem Jugendförderungswerk das Pilotprojekt "Teilqualifizierung" - und damit können Menschen wie der fiktive Jürgen peu à peu (denn auch Pausen sind möglich) zur Ausbildung beziehungsweise Gesellenprüfung gelangen. Denn es besteht aus acht Modulen, die jeweils zwischen 2,6 und 4,2 Monaten dauern und von denen jedes bereits einen Mehrwert auf dem Arbeitsmarkt mitbringt. "Die ersten drei Teilqualifizierungen bilden die Grundlage für alles andere, damit wäre man bereits in einer Firma einsatzfähig", sagt Bernd Lange, Geschäftsführer des Jugendförderungswerkes. Und besagte Firma könnte Jürgen dann zu weiteren bis zu fünf Qualifizierungsschritten ermutigen, je nach Bedürfnissen und Anforderungen. Der Berufsschulanteil entfällt, die Teilqualifizierung ist nicht komplett gleichwertig mit einer Erstausbildung - aber eine neue Option für all jene für besagten Personenkreis um Jürgen herum.

Zunächst startet das Projekt "Teilqualifizierung" für das Berufsbild Metallbauer. "Wir analysierten Berufsgruppen mit entsprechendem Fachkräftebedarf und schauten, ob genügend Firmen Interesse zeigen", sagt Stefan Bresser, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Zwölf bis 14 Arbeitslose (oder geringqualifizierte Arbeitnehmer) könnten ab 4. Oktober an den Start gehen, ein gutes Dutzend Partnerbetriebe ist mit dabei. Die Arbeitsagentur finanziert das Projekt. "Stellen sich Erfolge ein, wollen wir das gerne auch auf andere Berufsbilder ausweiten", sagt Wolfgang Draeger, deren operativer Geschäftsführer. Weitere Branchen mit aufnahmefähigen Märkten könnten Elektro sowie Sanitär, Heizung und Klima sein.

Die Innungsmeister des Metallbauhandwerks zeichnen für die drei Grundlagenmodule verantwortlich. "Sie sind seit über 20 Jahren dabei, kennen alle Betriebe und können sofort einschätzen, welcher Projektteilnehmer gut zu welchem Betrieb passen könnte", sagt Elisabeth Hollenbeck, Geschäftsführerin des Jugendförderungswerks - das sich trotz des Namens längst auch für andere Zielgruppen geöffnet hat. Voraussetzungen für die Teilnahme sind deutsche Sprache in Wort und Schrift, handwerkliches Geschick und idealerweise ein Hauptschulabschluss. Info: Marion Noathnick, Jugendförderungswerk, 02161 491514 oder personal@jfw-mg.de.

Quelle: RP
 
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